Stillisierte Gesichter, einander zugewandt - Ö1 Science Arena

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Geschmack zwischen Mund und Meinung

Rund um den Geschmack ranken sich einige Mythen. Einer davon ist die sogenannte "Zungen bzw. Geschmackskarte". Demnach sollen wir auf der Zunge unterschiedliche Geschmackszonen besitzen: vorne süß, seitlich sauer und salzig, hinten bitter. Eine Mär, zurückzuführen auf einen Irrtum sowie einen späteren Übersetzungsfehler wissenschaftlicher Forschung aus dem Jahr 1901. Tatsächlich schmecken wir alle fünf Geschmacksrichtungen - einschließlich umami- in unterschiedlicher Intensität auf der gesamten Zunge.
Während unsere physiologische Geschmackswahrnehmung im Laufe des Lebens nachlässt, entwickelt sich unser Urteil darüber, was wir als guten oder schlechten Geschmack bewerten, kontinuierlich weiter. "Guter Geschmack" wird damit zu einem Unterscheidungskriterium und zu einem sozialen Distinktionsmerkmal.
Bereits Immanuel Kant hat sich im Jahr 1790 in seiner "Kritik der Urteilskraft" mit dem Geschmack befasst. Geschmack sei, so Kant: "das Beurteilungsvermögen eines Gegenstandes durch ein Wohlgefallen oder Missfallen, ohne alles Interesse. Der Gegenstand eines solchen Wohlgefallens heißt schön."

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  • Till Köppel