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Stimmen hören
"Sie hat gesungen, dass es Sterne rührte"
Lotte Lehmann, Sopran der Herzensergießungen
27. August 2026, 14:05
Ja, es gibt im Lieder-Singen ein "Davor" und ein "Danach": vor und nach Lotte Lehmann. Wie beschreiben? Bei Lotte Lehmann gab das sinnlich aufgeladene Wortverständnis der Musik Sinn und Gestalt. Nie hat Lehmann nur eine Zeile Text, eine Zeile Musik "heruntergesungen", immer schien es so, als schüttete sie ihr Herz aus. Ihr war es gegeben, ein Kunstwerk, ob Lied, ob Opernpartie, immer neu erstehen zu lassen. Die spontan "überspringenden" Lehmann-Momente höchster Expression - noch die tontechnisch mangelhaftesten Tondokumente vermitteln sie.
Wer Interviews mit der 1888 im deutschen Brandenburg geborenen, 1976 im amerikanischen Santa Barbara verstorbenen Lotte Lehmann hört oder sieht, erfasst schnell den bodenständigen Intellekt der Künstlerin, deren Karriere bereits in den 1910er Jahren begann, um in der Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen, in der Zusammenarbeit mit Bruno Walter und Arturo Toscanini, ihren Zenit zu erreichen. Lehmann war eine gesuchte Interpretin für Novitäten von Puccini und Richard Strauss, dessen Marschallin im "Rosenkavalier" eine ihrer zentralen Opernpartien wurde - neben Beethovens Fidelio-Leonore und der Sieglinde in "Walküre". Schon in den mittleren 1930ern verlagerte Lotte Lehmann ihr Leben in die USA. Dort traten die Opernaufgaben allmählich in den Hintergrund, und die Mission, speziell die Liedinterpretation auf ihre Art an die nachfolgende Generation weiterzugeben, erfüllte die späten Sängerinnenjahre.
Lotte Lehmann: "Ich bin keine exakte Künstlerin. Wenn ich auf die Bühne gehe, lebe ich die Musik, und nur das zählt für mich. Technik hat mich nie beschäftigt, ich bin ein Instinktwesen. Wenn ich eine falsche Note singe, was soll's? Für gewisse Perfektionisten ist dies nicht akzeptabel, aber nach meiner Ansicht zählt bei einem Künstler die Expression."
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
