Menschenbilder

Europa übersetzen: Cengiz Günay

Europa weiter denken: Verstehen, um zu vermitteln. Der Politikwissenschaftler Cengiz Günay.

Die Türkei verbindet Europa mit Asien. In Istanbul, der ersten Heimatstadt von Cengiz Günay, führen drei Hängebrücken über die Meerenge Bosporus. Sie verbinden die europäischen Stadtviertel mit den asiatischen. Ein Teil der Türkei gehört zu Europa - der Staat aber nicht zur Europäischen Union.

Seit 2022 leitet der Politikwissenschaftler Cengiz Günay das Österreichische Institut für Internationale Politik mit Sitz in Wien. Seine Forschungsschwerpunkte: Islamismus, Demokratieentwicklung und der Aufstieg neuer autoritärer Regierungsformen. Sein regionaler Fokus liegt neben den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens auf der Türkei: dem Land, in dem er die ersten zehn Jahre seines Lebens verbracht hat und dessen politische Entwicklung er seit Jahrzehnten verfolgt. Europa hat er aus zwei unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt. Nach seiner Volksschulzeit zog die Familie 1983 nach Österreich. 12 Jahre später trat Österreich der Europäischen Union bei.

Was ist Europa? Was eint die europäischen Länder - in einer Zeit, in der auch in Europa die liberalen demokratischen Werte angezweifelt werden und Demokratien zu autokratischen Systemen umgebaut werden? Ein Blick auf die Türkei ist aufschlussreich, hat sich die Frage nach einer europäischen Identität doch erstmals an der Türkei entzündet. Die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei rund um die Jahrtausendwende waren Anlass für Europäische Union und die Gesellschaft europäischer Länder, sich zum ersten Mal intensiv mit der Frage der eigenen Identität auseinanderzusetzen.

Cengiz Günay studierte Geschichte und Politikwissenschaft. Nach seinem Doktorat kam er 2006 als Experte für die Türkei an das Österreichische Institut für Internationale Politik. Im Gespräch für die Menschenbilder erzählt er von seiner Kindheit in Istanbul und dem Ankommen in Österreich - und warum ihn nicht nur die europäische Perspektive interessiert, sondern auch der Blick aus der anderen Richtung.

Gestaltung: Shenja von Mannstein

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