Vorgestellt
Symphonien von Paul Büttner
Komponist und Sozialdemokrat, traditionsbewusst und dennoch eigenwillig: Paul Büttners Symphonien 3 und 4, entstanden rund um den Ersten Weltkrieg, zeichnen ein persönliches wie allgemeines musikalisches Stimmungsbild seiner Zeit. Das RSO Berlin unter Christopher Ward hat sie aufgenommen.
31. August 2026, 11:30
Chorleiter und Musikkritiker sei er gewesen, heißt es auf Wikipedia. Im großen wissenschaftlichen Lexikon "Musik in Geschichte und Gegenwart" firmiert Paul Büttner immerhin in erster Linie als das, was ihm die beliebte Online-Enzyklopädie erst an dritter Stelle zugesteht: Komponist.
1870 in Dresden geboren, musste sich der aus ärmlichen Verhältnissen kommende Paul Büttner sein Studium am Konservatorium seiner Heimatstadt als Tanzmusiker verdienen und nach dem Tod des Vaters auch seine Familie erhalten. Er hatte Engagements als Oboist, unterrichtete, dirigierte Arbeiterchöre und schrieb Kritiken für die sozialdemokratische Dresdner Volkszeitung.
Schließlich gelang ihm der Aufstieg sowohl auf dem Feld der Musikausbildung wie auch als schöpferischer Künstler: Die Uraufführung seiner Symphonie Nr. 3 in einem Gewandhauskonzert unter Arthur Nikisch im Jahr 1915 etablierte den Komponisten Paul Büttner; neun Jahre später wurde er Direktor des Dresdner Konservatoriums (heute Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden).
Dirigenten wie Fritz Busch, Joseph Keilberth, Carl Schuricht und Rudolf Kempe präsentierten Büttners Musik im Konzertsaal. Doch dann war plötzlich alles aus: Am 1. April 1933 wurde Büttner aus seinen Ämtern entfernt und Aufführungen seiner Werke für "unerwünscht" erklärt. Die Nazis waren an die Macht gekommen. Büttner und seine Frau Eva, geb. Malzmann, die jüdische Publizistin, Kritikerin und SPD-Politikerin, wurden verfemt. Büttner starb 1943 verarmt, Eva konnte durch die Hilfe von Freunden in einem Versteck über einem Pferdestall überleben und war nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR politisch tätig.
Aber wie klingt Büttners Musik? Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat mit Christopher Ward am Dirigentenpult die Symphonien Nr. 3 und 4 aufgenommen: sowohl traditionsbewusste als auch eigenwillige Werke, die Aufmerksamkeit verdient haben.
Service
Aktuelle Aufnahme:
Paul Büttner: Symphonien Nr. 3 & 4
Ausführende: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Christopher Ward (Leitung)
Label: Capriccio
Sendereihe
Gestaltung
- Walter Weidringer
