Stimmen hören

Paarlauf der Tragödinnen

Martha Mödl und Astrid Varnay, nicht nur mit Wagner

Schwierige Frage: Hätten die beiden die Frühzeit von "Neu-Bayreuth" (also ab dem Wiederbeginn 1951) prägenden Stimmen von Astrid Varnay, der perfekt Deutsch sprechenden Amerikanerin mit österreichisch-ungarischen Wurzeln, und von Martha Mödl, der das "Fränkische" im Sprech-Tonfall ein Leben lang blieb, den Qualitätsstandards genügt, die mit der gleißenden Perfektion von Birgit Nilsson (derselbe Jahrgang wie Varnay) in die Wagner-Welt kam? Mit unterschiedlicher, je hochindividueller Timbrierung standen sowohl Varnay als auch Mödl für ein Leidenschafts-Singen, wie es die Bühne liebt, das Plattenstudio weniger, weshalb sich die je kurze Hoch-Zeit beider auch am besten in Live-Dokumenten vermittelt. Die aus dem Mezzosopran-Fach kommende Martha Mödl mit der interessant "rauchigen" Stimmfarbe war Knappertsbuschs Kundry und Furtwänglers Brünnhilde, Astrid Varnay als "geborener" hochdramatischer Sopran belebte Wieland Wagners szenische Abstraktionen mit Fraulichkeit und Emotions-Vibrato, zwischen "Holländer", "Tristan und Isolde" und "Ring des Nibelungen". An der New Yorker MET groß geworden, hatte Varnay in Europa allerdings als Verdis Lady Macbeth debütiert und war auch sonst firm im italienischen Fach. Mödl wiederum war eine berühmte "Fidelio"-Leonore und reüssierte sogar als Octavian im "Rosenkavalier" - von den unzähligen Charakterpartien, die sie später (bis ins Jahr 2000!) verkörpern sollte, ganz abgesehen.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel