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Punkt eins
Live aus Pinkafeld: Bitterer Erntedank
Das Erntejahr 2026 und wie sich Bäuerinnen und Bauern an den Klimawandel anpassen können. Gäste: Johanna Kirnbauer, Biobäuerin, Riedlingsdorf & Dipl.-Ing. Marian Momen B.Sc., Institut für Entwicklungsforschung, Universität für Bodenkultur, Wien & Johann Plemenschits, Obstbauer, Klostermarienberg, Präsident des Burgenländischen Obstbauverbandes & Gerhard Szabo, Schweinebauer und Landwirt, Unterwart. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
2. Oktober 2026, 13:00
Die Felder staubtrocken, der Mais verkümmert, die Ernte verdorrt. Die Früchte verschrumpeln an den Bäumen, die Heuernte fällt aus, Landwirte müssen Vieh notschlachten. Wenn am ersten Oktobersonntag traditionell Erntedank gefeiert wird, blicken viele Bäuerinnen und Bauern auf ein Jahr zurück, wie es noch keines gab.
Die Landwirtschaftskammer OÖ sprach am Mittwoch vom "schwierigsten Ackerbaujahr der Geschichte". Ob Grünland, Getreide und Mais, Gemüse oder Wein: Die heurige Ernte bringt in nahezu jedem Bereich ein Ertragsminus, mitunter Ausfälle von 50 bis 70 Prozent. Die Hagelversicherung schätzte die Dürreschäden bereits Mitte August auf über eine Milliarde Euro. Und die Trockenheit hat weite Landesteile nach wie vor fest im Griff; im September gab es sogar Tropennächte.
Wie werden die Bäuerinnen und Bauern diesen Herausforderungen künftig gewachsen sein? Mit welchen Maßnahmen können sie sich an den Klimawandel anpassen? Welche Unterstützung brauchen sie dafür? Marian Momen vom Institut für Entwicklungsforschung der Wiener BOKU untersucht in verschiedenen Forschungsprojekten konkrete Handlungsempfehlungen, analysiert praktische, politische und persönliche Faktoren und betont: Es braucht ein Maßnahmenbündel und: viele Betriebe sind bereits innovativ.
Die Bewässerung war heuer der zentrale Faktor in der Landwirtschaft, von den Almwiesen über die Erdäpfeläcker bis zu den Obstgärten. "Trotz Bewässerung hatten die Obstbäume Stress", resümiert Johann Plemenschits, Präsident des Burgenländischen Obstbauverbandes aus Klostermarienberg. Bewässern kann man allerdings nur, wenn Wasser verfügbar ist, und heuer gerieten die Reserven vielerorts ans Limit. Der Obstbauer selbst hat eine besonders ressourcenschonende Bewässerungsmethode an seinem Betrieb installiert. "Aber durch die extreme Trockenheit ist das Obst heuer auf vielen Betrieben sehr klein. Viele Äpfel erfüllen die Zielgröße, die für den Handel notwendig ist, bedauerlicherweise nicht."
"Letzter Ernte-Tag unserer Bio-Zwiebeln. Wir sind froh, so schöne Zwiebeln ernten zu können und dankbar, dass sie nicht vorher vertrocknet sind", postet Johanna Kirnbauer aus Riedlingsdorf Anfang September auf ihrem social media Account. 2019 hat sie den Bauernhof ihrer Eltern übernommen, ihn auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt, wieder mit Gemüseanbau begonnen und arbeitet im Vollerwerb mit Direktvermarktung. Wenn ihre Ernte ausreicht, steht sie auf dem Pinkafelder Bauernmarkt mit ihren Produkten.
Extremwetterereignisse werden zum Dauerrisiko in der Landwirtschaft und die heurige Dürre trifft in mehreren Bundesländern auf eine Entwicklung, die über ein einzelnes Jahr hinausgeht: So gab es in zwölf Jahren laut LK Burgenland nur drei Normalernten. Dazu kommen die gegenwärtigen globalen Krisen, die sich auf Energiepreise und Düngerverfügbarkeit und damit die Produktionskosten auswirken, die Konsumgewohnheiten und in Österreich die besondere Marktmacht der Lebensmittelhandelsketten. Weil sie das ganze Tier verwerten will, hat Familie Szabo aus Unterwart, bereits vor über 40 Jahren auf Direktvermarktung umgestellt und baut auch die Futtermittel für ihre Schweine selbst an. Fleisch- und Wurstwaren, hofeigenes Kernöl sowie Brot und Gebäck verkauft Gerhard Szabo auch auf den Bauernmärkten der Umgebung. "Wir wollen gar nicht mehr produzieren", sagt er, "sonst leidet die Qualität. Die Tiere brauchen ihre Bewegungsfreiheit, das schmeckt man sofort."
Johann Plemenschits, Johanna Kirnbauer und Gerhard Szabo passen ihre Betriebe seit Jahren an die Klimaveränderungen an. Worauf achten sie, was gelingt gut, wo verzweifeln sie und wie kann es für die Bäuerinnen und Bauern weitergehen? Darüber diskutieren wir auf dem Pinkafelder Erntedankmarkt mit Marian Momen - kommen Sie vorbei, reden Sie mit, rufen Sie an unter 0800 22 69 79 (kostenfrei innerhalb von Österreich) oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
Ist Ihnen heimisches Obst, Gemüse und Fleisch wichtig? Wo kaufen Sie ein? Überdenken Sie Ihre Konsum- und Ernährungsgewohnheiten? Was wollen Sie über die gegenwärtige Landwirtschaft und die Herausforderungen des Klimawandels wissen?
Service
Pinkafelder Erntedankmarkt
Freitag, 2. Oktober, 11:00 bis 16.00 Uhr
Marktplatz Pinkafeld
Pinkafelder Bauern- und Handwerksmarkt
Wöchentlich am Freitag, 11:00 - 16:00
Marktplatz Pinkafeld
Obstbau Plemenschits
Hauptstraße 47
7444 Klostermarienberg
+43 (0) 2611 2373
obst.plemenschits@aon.at
Biohof Johanna Kirnbauer
Untere Hauptstraße 37
7422 Riedlingsdorf
+43 (0)6642503450 oder
+43 (0) 6645529775
j.kirnbauer@gmx.net
Ab Hof Verkauf: immer Samstags 9-12 Uhr
Bauernhof Gerhard Szabo
Obere Hauptstraße 70
7502 Unterwart
+43 (0) 6641619089
Österreichweite Direktvermarkter, Bauernläden und Märkte finden Sie auf:
Empfehlungen der Umweltberatung
Bauernnetzwerk
Gutes vom Bauernhof
Bauernladen
Die Landwirtschaftskammern bieten ebenfalls umfangreiche Informationen zur Direktvermarktung.
