Ivan Illich

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Gedanken für den Tag

Ivan Illich und die "schöpferische Fantasie"

Petra Nagenkögel, Schriftstellerin, zum 100. Geburtstag von Ivan Illich

Wozu noch Bewegung und Sport? Wien, Pötzleinsdorferstraße 36 - 38, im 18. Bezirk - hier stand die Villa Regenstreif, neben Split und der Insel Bra? einer der Bezugsorte im Aufwachsen von Ivan Illich.

Im Nationalsozialismus wurde sie enteignet, Illichs Mutter flüchtete daraufhin mit drei Kindern nach Florenz. Auf dem Gelände der Villa Regenstreif stehen heute ein Wohnhaus und ein Studentenheim, kein Schild, das auf Illich verweisen würde. Was bleibt von einem Menschen, was erinnert man, was trägt man weiter. Und was lässt sich bewahren von einem Werk von tausenden Seiten, das eine umfassende und scharfsichtige Zeitdiagnose entfaltet, die mehr denn je gültig, aber weitgehend vergessen scheint.

Ivan Illich hat sein Denken immer auf Erfahrung gegründet, hat es auf eine mögliche Lebenspraxis hin ausgerichtet. Und er hat es im Dialog mit anderen entwickelt, in der platonischen Tradition des gemeinschaftlichen Suchens nach Erkenntnis, Wahrheit, Sinn. Vielleicht also ließe sich immerhin das weiter befördern - oder wieder entwickeln: im partizipativen Miteinander den Sinn für das Mögliche neu zu entdecken, jene, wie Illich sie nannte, "schöpferische Fantasie", die uns in der Normalisierung einer entfremdeten Lebensweise zunehmend verloren gegangen ist. Um sich so, im gemeinsamen Austausch, zu verständigen über die eigentlichen "Fragen des menschlichen Daseins" - und um die Realitäten zu messen daran.

In einem Gespräch gegen Ende seines Lebens sagt Ivan Illich: "Wenn es einen Grund für mich gibt, die Regeln zu verstehen, unter denen dieses Absurdistan, in dem wir leben, funktioniert, dann darum, weil ich und auch meine Freunde wissen möchte(n), wo wir NICHT mittun. Wodurch wir unsere Seele, unsere Wahrnehmung, unsere innere Welt nicht beeinflussen lassen. Das ist eine Übung." Und es ist ein Vermächtnis.

Service

Ivan Illich, "Fortschrittsmythen", deutsch von Thomas Lindquist, Rowohlt Verlag, Reinbek 1978
Ivan Illich, "Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik", deutsch von Thomas Lindquist, Rowohlt Verlag, Reinbek 1980
Ivan Illich, "Klarstellungen. Pamphlete und Polemiken", aus dem Englischen von Helmut Lindemann. Mit einer Einleitung von Erich Fromm. Verlag C.H. Beck, München 1996
Ivan Illich, "In den Flüssen nördlich der Zukunft. Letzte Gespräche über Religion und Gesellschaft mit David Cayley", aus dem Englischen von Sebastian Trapp, Verlag C.H.Beck, München 2006
Thierry Paquot, "Ivan Illich. Denker und Rebell", aus dem Französischen von Henriette Cejpek und Barbara Duden, Verlag C.H. Beck, München 2017
Martina Kaller-Dietrich, "Ivan Illich. Sein Leben, sein Denken", Bibliothek der Provinz, Weitra 2007

Gabriele Goettle, "Frühstückmit Ivan Illich", taz, 30.7.2001

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Charlie Haden/1937-2014
Album: MAGICO
Titel: Silence/instr.
Solist/Solistin: Jan Garbarek /Saxophon
Solist/Solistin: Charlie Haden /Bass
Solist/Solistin: Egberto Gismonti /Piano, Gitarre
Länge: 01:00 min
Label: ECM 8234742

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