Naked Cameo

Alex Gotter

Radiokolleg

Lexikon der österreichischen Popmusik (1)

Naked Cameo - grenzenloser Indie-Pop

Von Ambros bis Zawinul wird das Leben und Werk einzelner Künstler:innen und Bands dokumentiert, ihre Bedeutung für die österreichische Musiklandschaft reflektiert und ihr Beitrag zu einer kritischen Gegenkultur gewürdigt.


Mit dem ersten Song gleich einen viralen Hit landen: Das haben Naked Cameo geschafft. Der 2017 erschienene Elektropop-Song "Luddite" zählt aktuell mehr als 16 Millionen Streams auf der Streaming-Plattform "Spotify". "Luddite" ist auf dem 2018 erschienen Debutalbum "Of Two Minds" zu finden, das von eben jenem kühlen Elektro-Pop geprägt ist.

Am Anfang ihrer Laufbahn zählten Naked Cameo noch vier Mitglieder; seit einigen Jahren ist man als Trio unterwegs: Maria Solberger (Synthesizer), Lukas Maletzky (Gesang, Gitarre) und Patrick Pillichshammer (Schlagzeug) bilden die Band. Die Mitglieder stammen allesamt aus Oberösterreich, leben mittlerweile aber verteilt über den deutschsprachigen Raum: Berlin, Wien, Linz. Die Mitglieder sind auch in Nebenprojekten aktiv.

Die Veränderung und das Erkunden neuer musikalischer Stile gehört bei Naked Cameo dazu - und so schlägt die 2023 erschienene Platte "Trespassing By" einen musikalisch anderen Ton. Gitarrenlastiger Indie-Rock, der stark an die 1990er Jahre erinnert, dominiert das zweite Studioalbum. Die Texte sind introspektiv, setzen sich mit Isolation und Niedergeschlagenheit auseinander. Die Folgen der Corona-Pandemie sind inhaltlich spürbar.

Ihr jüngstes, drittes Studioalbum, "Phase to Phase" ist im Mai 2026 erschienen. Es markiert einen Neuanfang für die Band: Naked Cameo haben es komplett unabhängig veröffentlicht und sich dazu entschlossen, "Phase to Phase" nicht in Gänze auf Streaming-Dienste zu stellen. Lediglich die Singles gibt es dort zu hören. In einem Posting in den sozialen Medien sprach die Band von einem "Mittelfinger" und betonte, dass das aktuelle System in der Musikindustrie für viele einfach nicht funktioniere.
Musikalisch bewegt sich das Trio auf "Phase to Phase" abermals in eine neue Richtung: Streicher tauchen auf, die Songs setzen auf Harmoniegesang und knackige Strukturen. Lieder wie "Lower Back Tattoo" erinnern an den ausgefeilten Pop der späten 1960er. Wer möchte, der darf hier gerne die Beatles raushören.

Gestaltung: Florian Kölsch

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