APA/DPA/JAN WOITAS
Punkt eins
"Tägliches Ziel hybrider Kriegsführung"
Wie umgehen mit Russlands "Grauzonentaktik"? Gast: Brigadier i.R. Prof. Dr. Walter Feichtinger, Präsident des Center für Strategische Analysen (CSA), Politikwissenschaftler. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
9. September 2026, 13:00
Eine mit Sprengstoff beladene Drohne wurde im August auf dem Flughafen Leipzig / Halle gefunden, größeren Schaden oder gar eine Katastrophe hat sie nur deshalb nicht angerichtet, weil sie nicht detoniert ist. Der Flughafen ist NATO-Drehkreuz und dient auch der militärischen Versorgung der Ukraine. Nach langem Zögern gab die deutsche Regierung am 1. September bekannt, es bestehe kein Zweifel, dass Russland hinter der Attacke stecke.
Moskau dementierte die Vorwürfe; Außenminister Sergej Lawrow nannte sie gar den "Beginn eines echten Krieges". "Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung", kommentierte der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt die aktuelle Lage und kündigte, wie auch die EU, weitere Sanktionen gegen Russland und russische Bürger:innen an.
Die Leipziger Drohnen-Attacke ist Teil eines dicht gesponnenen Netzes aus Geheimdienst-Operationen ein, die Russland längst nicht mehr nur gegen die Ukraine führt, sondern gegen alle Staaten, die das kriegsgeplagte Land unterstützen. "Grauzonentaktik" oder hybride Kriegsführung" - das sind Desinformationskampagnen ebenso wie Cyberattacken, gesteuerte Flüchtlingsströme nach Europa, Luftraumverletzungen, Sabotage-Aktionen gegen Bahnlinien, Kraftwerke oder sonstige kritische Infrastruktur. Das ist Finanzierung russlandfreundlicher Parteien und Medien in ganz Europa oder auch ein Giftanschlag wie der von 2018 auf den Doppelagenten Sergej Skripal im britischen Salisbury.
"Grauzonentaktik" verläuft ganz bewusst unterhalb der Schwelle, bei der die angegriffenen Länder robust darauf reagieren könnten. So genannte Wegwerf-Agenten, von Moskau billig angeheuert, sollen dabei, so gut es geht, die Spuren zum Auftraggeber verwischen. Und verwischt werden gleichzeitig die Grenzen zwischen Krieg und Frieden, mit dem Ziel der Destabilisierung und Spaltung der betroffenen Länder, die nach der "richtigen" Antwort auf die Attacken suchen, mit denen Europa augenscheinlich in jedem Moment und ohne Vorwarnung zu rechnen hat.
Wie soll Europa darauf reagieren? Mit Solidarität gegenüber Deutschland nach dem Leipzig-Vorfall und dem Schließen von Lücken bei den Sanktionspaketen, so der Politikwissenschaftler und Bridagier i.R. Walter Feichtinger kürzlich in einem ORF-Interview. Er fügt hinzu, wie es nicht gehen sollte: Nach wie vor decke Europa 13 % seines Gasbedarfs mit russischem Gas - "das ist kein starkes Argument anderen gegenüber, um zu sagen, ihr müsst das Gas und Öl woanders kaufen."
Alexander Musik diskutiert mit Walter Feichtinger, Präsident des Center für Strategische Analysen (CSA), über das Arsenal hybrider Kriegsführung, mit dem Russland Europa überzieht, die Gefahr einer weiteren Eskalation und das Risiko für Österreich, der "Grauzonentaktik" stärker ausgesetzt zu sein.
Wie immer sind Sie eingeladen mitzudiskutieren: Als wie belastend empfinden Sie die immer neuen russischen Geheimdienst-Operationen in Europa? Wie sollte die EU darauf reagieren? Befürchten Sie, dass auch Österreich weiter in diese Operationen einbezogen wird?
Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79 | E-Mails an punkteins(at)orf.at
