Stimmen hören
Fritz Buschs Mozart
Dokument einer Ära: die stilbildenden Aufnahmen aus Glyndebourne
10. September 2026, 14:05
Von allen drei Da Ponte-Opern Mozarts stammen die chronologisch ersten Kompletteinspielungen der Aufnahmegeschichte (in einem Fall ohne Rezitative) vom britischen Glyndebourne Festival und aus den mittleren 1930er Jahren. Wie das kam? Der "brain drain" aus Deutschland ab 1933 erstreckte sich auch auf Zentralfiguren des Musiktheaters, unter ihnen: Fritz Busch, Dirigent, Bruder des nicht minder namhaften Geigers (und Quartett-Primarius) Adolf Busch, zuletzt: Generalmusikdirektor der Dresdner Semperoper. Der Opern-Spleen eines britischen Landedelmanns mit singender Gemahlin und Fritz Buschs fordernde Professionalität ließen sich auf einen Nenner bringen, ein neues Musikfestival ward geboren, die "Hautevolée" strömte herbei, und wie ein Wunder mutet es an, dass sich auch "His Master's Voice" mit rollendem Tonstudio einstellte. Das Ergebnis: lauter Klassiker, die die teils doch recht zufallsgeprägten Glyndebourne-Besetzungen von damals gleichsam "verewigen", und zugleich Fritz Buschs leidenschaftlicher Genauigkeit ein Denkmal setzen. Ein Mirakel obendrein, dass sich die Aufnahmen (ergänzt durch "Così fan tutte" und "Idomeneo" von nach dem Zweiten Weltkrieg) auch heute, nach so großem Mozart-Stilwandel, noch mit Gewinn hören lassen.
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
