RSO Ensemble

ORF/HANS LEITNER

Das Ö1 Konzert

RSO Kammermusik - Viva Polonia

Lucja Madziar, Violine; Marianna Oczkowska, Violine; Andreas Stadler, Viola; Marta Kordykiewicz, Violoncello; Michael Pistelok, Kontrabass. Krzysztof Penderecki: Drei Stücke im alten Stil; Stanislaw Moniuszko: Streichquartett Nr. 1 d-Moll; Grazyna Bacewicz: Streichquartett Nr. 3; Henryk Mikolaj Gorecki: Streichquartett Nr. 1 "Already it is Dusk" op. 62; Witold Lutoslawski: Fünf Volksmelodien (aufgenommen am 12. Mai im RadioKulturhaus)

"Ich sitze tief in der Tradition verwurzelt, und dort suche ich den Schlüssel zur Gegenwart. Einen Schlüssel, der es mir ermöglicht, das auszudrücken, worin ich heute lebe und was mich umgibt", sagt Henryk Miko?aj Górecki nach der Uraufführung seiner berühmten Dritten Symphonie im Jahr 1977. Damit drückt er aus, was viele polnische Komponist:innen bewegt: die Suche nach Identität, nach einer eigenen musikalischen Sprache, die sowohl dem Erbe der Vergangenheit gerecht wird als auch mit dem Puls der Gegenwart schwingt.

Als Stanis?aw Moniuszko 1839 sein Erstes Streichquartett bei einem Studienaufenthalt in Berlin schreibt, steht er gerade erst am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung; in seinem Streichquartett ist noch deutlich das Echo der Wiener Klassik und der Musik Franz Schuberts zu hören. Zurück in Polen, wird aus Stanis?aw Moniuszko im Lauf der folgenden Jahrzehnte aber einer der bedeutendsten Vertreter der polnischen Nationaloper. In seine Werke lässt er polnische Tänze, Gesänge und Geschichten einfließen und prägt damit die Nationaloper für die kommenden Jahrzehnte.

Mehr als hundert Jahre später greifen Komponisten wie Witold Lutos?awski und Henryk Miko?aj Górecki wieder auf die polnische Liedtradition zurück - eingebettet in den neuen Klang ihrer Zeit. In den Fünf Volksmelodien - ursprünglich für Klavier bzw. Streichorchester komponiert - lässt Witold Lutos?awski Volksgesänge aus verschiedenen Regionen Polens im lustvollen Wechselspiel zwischen Melodieführung und Begleitung erklingen. Auf das Renaissance-Lied Ju? si? zmierzcha (Already it is Dusk) greift Henryk Miko?aj Górecki in seinem 1. Streichquartett zurück. Damit leitet er Ende der 1980er Jahre eine weitere Phase seines Schaffens ein: Nicht nur historische polnische Melodien, sondern auch alte Kompositionstechniken geben seinen Werken eine neue Richtung. Ju? si? zmierzcha setzt er als Cantus firmus - also als durchgehende Grundmelodie - in den ruhigen Pianissimo-Passagen des Quartetts ein. Dem gegenüber stellt er stampfende, raue Klangballungen, die an die Volkstänze der polnischen Goralen (Bergbewohner) erinnern.

Auch Krzysztof Penderecki besinnt sich Anfang der 1960er Jahre auf alte Formen. Seine Drei Stücke im alten Stil, die ursprünglich als Filmmusiken komponiert wurden, weichen mit ihrer historisierenden Klangsprache deutlich von seinen avantgardistischen Werken ab. Vom Neoklassizismus lässt sich schließlich Gra?yna Bacewicz 1947 zu ihrem dritten Streichquartett inspirieren: ein Werk mit kluger polyphoner Stimmführung und ausgeprägtem Feingefühl für die Klangvielfalt der Streichinstrumente. Damit schöpft die "First Lady of Polish Music" ebenso wie die anderen Komponisten des Abends aus der Vergangenheit als lebendiger Quelle. Historische Formen und musikalische Traditionen werden in einer neuen musikalischen Sprache zum Schlüssel für die Gegenwart.

Text: Anna Jagenbrein

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Stanislaw Moniuszko
Titel: 1. Streichquartett in d- Moll (1839)
* Allegro agitato - 1.Satz (00:05:21)
* Andantino - 2.Satz (00:04:21)
* Scherzo - 3.Satz (00:03:58)
* Finale. Un ballo campestre e sue consequenze - 4.Satz (00:03:14)
Solist/Solistin: Lucja Madziar /Violine
Solist/Solistin: Marianna Oczkowska /Violine
Solist/Solistin: Andrea Stadler /Viola
Solist/Solistin: Marta Kordykiewicz /Violoncello
Länge: 17:15 min
Label: PWM (Polskie Wydawnictwo Muzyczne)

Komponist/Komponistin: Henryk Górecki
Titel: 1. Streichquartett- Already It Is Dusk (1988)
Solist/Solistin: Lucja Madziar /Violine
Solist/Solistin: Marianna Oczkowska /Violine
Solist/Solistin: Andrea Stadler /Viola
Solist/Solistin: Marta Kordykiewicz /Violoncello
Länge: 15:16 min
Label: Boosey & Hawskes

Komponist/Komponistin: Grazyna Bacewicz
Titel: 3. Streichquartett (1947)
* Allegro ma non troppo - 1.Satz (00:05:31)
* Andante - 2.Satz (00:05:51)
* Vivo - 3.Satz (00:05:24)
Solist/Solistin: Lucja Madziar /Violine
Solist/Solistin: Marianna Oczkowska /Violine
Solist/Solistin: Andrea Stadler /Viola
Solist/Solistin: Marta Kordykiewicz /Violoncello
Länge: 17:10 min
Label: PWM (Polskie Wydawnictwo Muzyczne)

Komponist/Komponistin: Witold Maliszewski/(1873-1939)
Bearbeiter/Bearbeiterin: Anthony Scelba
Titel: Streichquintett in d- Moll, op.3 (1904)
* Allegro - 1.Satz (00:11:58)
* Andante tranquillo - 2.Satz (00:08:24)
* Scherzo - 3.Satz (00:05:26)
* Allegro risoluto - 4.Satz (00:06:47)
Solist/Solistin: Lucja Madziar /Violine
Solist/Solistin: Marianna Oczkowska /Violine
Solist/Solistin: Andrea Stadler /Viola
Solist/Solistin: Marta Kordykiewicz /Violoncello
Solist/Solistin: Michael Pistelok /Kontrabass
Länge: 33:10 min
Label: Edition Silvertrust

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