9/11 Memorial Wall

APA/AFP/KENA BETANCUR

Punkt eins

Vor 25 Jahren: Angriff aufs Herz der USA

"9/11" und die Folgen. Gast: Univ.-Prof. Dr. Reinhard Heinisch, Politikwissenschaftler, Universität Salzburg. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Auf den Tag genau vor 25 Jahren kapern 19 islamistische Terroristen vier Flugzeuge. Sie lenken zwei davon in die beiden Türme des New Yorker World Trade Centers und eines ins Washingtoner Pentagon; das vierte bringen sie zum Absturz, nachdem Passagiere offenbar verhindert haben, dass es im Weißen Haus zerschellt und dort maximalen Schaden anrichtet. 3.000 Tote sind die Folge dieses Angriffs auf das Herz der USA.

Den Terror verantwortet eine Organisation, die sich al-Quaida nennt. Zum ersten Mal geht der Terror nicht von einem einzigen Land aus; al-Quaida ("die Basis") versteht sich als islamistische Sammelplattform für Attentäter weltweit.

Die Attentäter hassen den "imperialistischen Westen", verkörpert durch die USA. Sie führen einen Dschihad, einen "heiligen Krieg" gegen Unschuldige, die sie "Ungläubige" nennen, im Namen des Islam. Gesteuert werden die Selbstmordattacken von dem reichen saudischen Islamisten und Gründer von al-Quaida, Osama bin Laden.

Der Terror markiert eine Zeitenwende: Die USA sind auf ihrem eigenen Territorium angegriffen worden; eine tiefe Wunde klafft im ganzen Land. Das Selbstbewusstsein der US-Amerikaner:innen nimmt bleibenden Schaden.

Der Politikwissenschaftler Reinhard Heinisch von der Universität Salzburg, der 2001 in den USA lebte, hat einen sehr persönlichen Bezug zu "9/11", wie er schreibt: "Die Maschine von United Airlines, die schließlich in Shanksville abstürzte, ging damals in unmittelbarer Nähe des Ortes nieder, an dem ich lebte und unterrichtete. Wir konnten ihren Flugweg über den Funkverkehr bis unmittelbar vor dem Absturz mitverfolgen, keine 15 Kilometer von unserem Standort in Somerset entfernt", so Heinisch. "Ausgerechnet an diesem Tag hätte ich eigentlich an einem Briefing im State Department in Washington teilnehmen sollen. Stattdessen erlebten wir die Ereignisse und ihre unmittelbaren Folgen hautnah in Shanksville. Dieser Tag und alles, was danach geschah, haben sich mir unauslöschlich eingeprägt und gehören ohne jede Übertreibung zu den prägendsten Erinnerungen meines Lebens."

So wie Heinisch geht es wohl unzähligen Menschen, auch wenn sie nicht vor Ort waren, als islamistischer Terror die USA überzog und die Nation davon überzeugte, nicht unverwundbar zu sein. Auf das Schreckensereignis, das auch in Europa in Endlosschleife in Radio und Fernsehen übertragen wird - folgt prompt die Ankündigung von US-Präsident George W. Bush, den "war on terror", den Krieg gegen den Terror aufzunehmen.

Luftangriffe auf Afghanistan, wo sich Osama bin Laden versteckt hält, und die Invasion in den Irak folgen. Gleichzeitig ein Maß an Überwachung, das noch immer allgegenwärtig ist: Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, Video-Überwachung, inflationäres Datensammeln und -speichern, nicht zu reden von den Bedingungen, unter denen Terrorverdächtige im US-Gefängnis Guantanamo auf Kuba gehalten werden - mitunter ohne Anklage.

Alexander Musik spricht mit dem Politikwissenschaftler Reinhard Heinisch von der Universität Salzburg über seine ganz persönliche Wahrnehmung des Tages, als die USA auf ihrem eigenen Territorium Opfer eines schrecklichen Terrorangriffs wurden, und dessen Folgen.

Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at

Erinnern Sie sich an den Tag, als in den USA die Twin Towers brennend zusammen stürzten, an die Bilder verzweifelter Menschen, die aus Hochhausfenstern in den Tod sprangen?
Viele Menschen wissen noch ganz genau, was sie an diesem Tag gemacht haben, Sie auch? Was bedeutet der 11.9. 2001 für all jene, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren waren und heute davon sprechen hören?

Sendereihe

Gestaltung