Ö1 Hörspiel
"Wo der Name wohnt" von Ricarda Messner
Familiengeschichte und Zeugnis der nationalsozialistischen Verbrechen in Lettland, in einer Collage aus Liedtexten, Sprachnachrichten und historischen Dokumenten.
12. September 2026, 14:00
"Und irgendwo zwischen den beiden Häusern überkam mich eine Sehnsucht. Ich wollte den Nachnamen wieder tragen, sehnte mich nach ihm wie nach Großmutters Gesicht, das ich nicht mehr sehen würde." Die Suche nach diesem Namen wird zur Reise - durch deutsche Behörden, die ihr das Annehmen des Namens verweigern, durch den Familienalltag der vergangenen Jahre und schließlich zurück nach Riga. Dort findet sie im ehemaligen Ghetto ein Fenster, das eng mit dem Schicksal ihres Urgroßvaters Salomon verbunden ist.
Messner dokumentiert und verwebt die Lebenslinien mehrerer Generationen. Zwischen dem sowjetischen Lettland der 1970er Jahre und dem Deutschland der Gegenwart wird die Großmutter, die zwischen den Sprachen und Welten pendelte, zur zentralen Bezugsperson. "Großmutter hat unseren Alltag auf ihre Art besser festgehalten. Wenn sie anrief und mich nicht erreichte, legte sie nicht sofort auf, sondern wartete, bis sie eine Nachricht hinterlassen konnte."
In einer einzigartigen Collage aus russischen Liedtexten, Sprachnachrichten der Großmutter und historischen Dokumenten erzählt Messner von vier Generationen. "Wo der Name wohnt" ist zugleich eine persönliche Familiengeschichte und ein Zeugnis der nationalsozialistischen Verbrechen in Lettland - und macht Zeitgeschichte erfahrbar, indem der Zugang vor allen Dingen über das Alltägliche, das Miteinander geschieht.
"Wo der Name wohnt" von Ricarda Messner. Mit Marina Frenk, Sebastian Mirow, Marietta Meguid, Barbara Nüsse und Uwe-Peter Spinner, Musik: Nicolas Haumann, Technische Realisation: Daniel Senger, John Krol und Uwe Strack, Hörspielbearbeitung und Regie: Björn SC Deigner (SWR 2025)
Service
Ricarda Messner, "Wo der Name wohnt", Suhrkamp Verlag, 2025
