Lebenskunst - Begegnungen am Sonntagmorgen
Tempel und Wälder - Über spirituelle Räume
200 Jahre Wiener Stadttempel - Auf den Spuren der damaligen jüdischen Gemeinde und ihrer Gründer +++ "Im Wald ist mein spiritueller Raum" - Ein Spaziergang mit der Forstwirtin der Diözese Linz, Andrea Steinegger +++ Kung Fu in Wien - Zu Besuch bei Shaolin-Mönch Shi Yan Liang +++ Von gigantischen Summen und unendlicher Großzügigkeit - Aspekte der Bibel
13. September 2026, 07:05
200 Jahre Wiener Stadttempel - Auf den Spuren der damaligen jüdischen Gemeinde und ihrer Gründer
Der Stadttempel in Wien, die Synagoge in der Seitenstettengasse im Ersten Bezirk, feiert heuer das 200-jährige Bestehen - und wurde in den vergangenen Monaten restauriert. Mit einem Festakt wird der Stadttempel dieser Tage wiedereröffnet. Erbaut wurde er 1826 nach Plänen des Architekten Josef Kornhäusl. Das Baukapital setzte sich aus Anleihen zusammen, die von wohlhabenden, "tolerierten" Juden aufgenommen wurden. Die Historikerin Tina Walzer spricht von Nachfahren der sogenannten "Hofjuden": Männern aus jüdischen Familien, die ihre Herrscher mit Kapital versorgten. Im Gegenzug führten sie ein privilegiertes Leben und waren säkular eingestellt. Ganz anders die eher orthodoxe Gruppe der Zuwandernden aus Ländern wie Böhmen, Mähren oder Ungarn. Sie vermissten in Wien ein religiöses Gemeindeleben und gaben den Anstoß für die heutige "Israelitische Kultusgemeinde". Am 9. April 1826 wurde ihre Hauptsynagoge, der Wiener Stadttempel, feierlich eröffnet. Brigitte Krautgartner hat sich mit der Historikerin Tina Walzer auf die Spuren der damaligen jüdischen Gemeinde begeben.
"Im Wald ist mein spiritueller Raum" - Ein Spaziergang mit der Forstwirtin der Diözese Linz, Andrea Steinegger
Der Wald ist ein Ort der Stille und gleichzeitig unzähliger Stimmen - ein einzigartiges Biotop. Bäume, die mehr als einhundert Jahre alt sind, lassen staunen und machen demütig. Für die Forstwirtin Andrea Steinegger ist der Wald ein spiritueller Ort und die noch von Papst Franziskus verfasste Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si" ist für sie die Handlungsanleitung für ihre tägliche Arbeit. Andrea Steinegger hat Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert, leitet die Forstverwaltung der Diözese Linz und ist seit kurzem auch Umweltsprecherin ihrer Diözese. Maria Harmer hat Andrea Steinegger auf einem Spaziergang durch den Wald ihrer Familie in Steinbach am Attersee begleitet.
Kung Fu in Wien - Zu Besuch bei Shaolin-Mönch Shi Yan Liang
"Der Körper bewegt sich, aber das Herz ist ruhig", so beschreibt Shi Yan Liang das Wesen des Chan-Buddhismus. Es gehe darum, dass das Herz ganz im gegenwärtigen Moment ist. Shi Yan Liang begann mit vier Jahren in China, Kung Fu zu üben. Mit fünfzehn ist er als Sami (Mönch) in einen Shaolin-Tempel in China eingetreten und reiste mit einer Shaolin-Gruppe um die halbe Welt. Er hat den Chan-Buddhismus nach Österreich gebracht und ist heute Großmeister und Leiter des einzigen Shaolin-Tempels in Österreich. Gundi Lamprecht hat den Tempel am Bacherplatz im 5. Wiener Bezirk besucht und mit ihm und seinen Schülerinnen und Schülern darüber gesprochen, wie Kung Fu ihr Leben geprägt hat.
Von gigantischen Summen und unendlicher Großzügigkeit - Aspekte der Bibel
Matthäusevangelium 18,21-35
Mit einer unvorstellbar großen Zahl spielt eine Geschichte im Matthäusevangelium im Neuen Testament: Einem Mann werden seine Schulden in der Höhe von zehntausend Talenten vergeben. Zum Vergleich: In der damaligen Zeit sollen sich die gesamten Steuereinnahmen eines Jahres im Raum Galiläa und Peräa auf 200 Talente belaufen haben. Ein ganzes Leben hätte nicht ausgereicht, um diese Schulden zurückzuzahlen. Die Erfahrung eines umfassenden Schuldenerlasses war jüdischen Menschen nicht fremd. Denn das sogenannte Erlass- oder Sabbatjahr sah eine entsprechende Regelung vor, die einen völligen Neuanfang ermöglichte. Ähnlich reich beschenkt fühlten sich auch jene Menschen, die in Jesus den von Gott gesandten Befreier und Messias sahen. Pater Jakob Auer, der Abt des Benediktinerstiftes St. Peter in Salzburg, hat über diesen Abschnitt, der am Sonntag in katholischen Gottesdiensten zu hören ist, nachgedacht.
