Menschenbilder
Robert Schindel, Schriftsteller
"Das Leben ist gefährlich, aber es übt kolossal." Oder: Aus dem Leben eines unverbesserlichen Sanguinikers. Der Autor Robert Schindel.
13. September 2026, 14:05
Seine Heimatstadt Wien nennt er "Vergessenshauptstadt". Er selbst hat nichts vergessen, auch nicht die dunklen Stellen in seinem und im Leben dieses Landes. Und er ist trotzdem immer, wie er sagt, ein unverbesserlicher Sanguiniker geblieben. Ein fröhlicher Mensch.
Robert Schindel hat als Schriftsteller, Lyriker und Wiener Jude das Nachkriegsösterreich bis in die Gegenwart entscheidend mitgestaltet. Als Kind kommunistischer und deportierter Eltern hat er die Naziverfolgung in einem Versteck überlebt. Dass er Jude ist, hat er als Kind beim Fußballspielen auf den Praterwiesen erfahren, wo man ihm nachrief, er sein ein "Judenbub".
"Ich stecke tief in der Wiener Melange" heißt es in einem seiner Gedichte. So gut wie sein ganzes Leben hat Robert Schindel in der Wiener Leopoldstadt verbracht. Seit 1950 lebt er, mit einer Unterbrechung, in derselben Wohnung - wo die "Menschenbilder" den 82-jährigen Dichter besucht haben. Er erzählt, dass er gerade an einem neuen Roman schreibt.
Im Gegensatz zu früheren Büchern gibt es nun einen gewissen Wettlauf gegen die Zeit. "Ich will fertig werden, solange ich noch bei Sinnen bin." Das Schreiben war für Robert Schindel immer eine Überlebensfrage. Er hatte eine schwierige Jugend, Angstträume. Das Schreiben war eine Angstbannung: Die Angst wurde von ihm ins Wort geschickt. Einer seiner Essays hieß: "Literatur - ein Auskunftsbüro der Angst".
Heute, im 83. Lebensjahr, erlebe er die beste Zeit seines Lebens. Dass der eigene Tod näherkomme, sei ja eine Banalität. Aber er habe noch etwas zu tun - zum Beispiel, seinen Roman fertig zu schreiben.
Die Weltlage heute? Eher katastrophal. Er sagt trotzdem: "Es wird alles gut ausgehen".
Robert Schindel hat immer sehr gern gelebt, auch in den harten Zeiten, die ihm das Leben beschert hat, wie er versichert. Der Schriftsteller ist zufrieden - er unterrichtet immer noch an der Angewandten, aus Freude. Er erzählt den jungen Menschen dort, was ihm am Schreiben wichtig ist: Nämlich, dass er selbst als Schreibender dabei etwas lernt, das er vorher nicht gewusst hat.
Robert Schindel tut überhaupt nur mehr Dinge, die er mag. Denn, so sagt er, Irgendwann sollte man die richtigen Sachen im Leben tun. Dieser Moment sei für ihn jetzt, sagt er: "Das Leben ist gefährlich, aber es übt kolossal."
Gestaltung: Barbara Beer
