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Punkt eins
Die Iden des Merz: Krise der konservativen Mitte?
Zeigt sich in Deutschland eine Krise der europäischen Volksparteien? Gäste: Florian Gasser, Leiter Büro Wien, Die Zeit & Christoph Zotter, Außenpolitik-Redakteur, Die Presse. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
18. September 2026, 13:00
Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz kann derzeit nicht viel richtig machen. Schwindender Rückhalt und kaum noch Autorität in seiner eigenen Partei, der CDU; ein kommunikatives Desaster nach dem anderen; und nun noch eine herbe Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt, wo die CDU um mehr als 20 Prozentpunkte abstürzte und auch das Amt des Ministerpräsidenten verloren sein dürfte. Indessen fuhr die rechtsextreme AfD einen Erdrutschsieg ein. Und am kommenden Sonntag stehen mit den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gleich zwei weitere "Feuerproben" an.
Dabei wird die Unzufriedenheit auch in den eigenen Reihen alles andere als leiser. Die CDU tut sich spürbar schwer, mit Sachthemen zu landen, die Inszenierung von Merz als volksnaher Bürgerkanzler will trotz zahlreicher Versuche nicht und nicht gelingen; stattdessen bestimmt die ungeliebte Debatte über die Abgrenzung nach rechts, die so genannte "Brandmauer" weitgehend die Debatten. Und auch die Personaldebatte wird die CDU nicht los. Dass nach der Wahl in Sachsen-Anhalt "jetzt keine Diskussion über Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundesregierung" beginnt, war wohl eher Wunschdenken seitens der Generalsekretärin der Partei, Franziska Hoppermann. Ein Brief der Unionsministerpräsidenten, mit dem sie sich diese Woche demonstrativ hinter ihren Kanzler stellten und Friedrich Merz einen "klaren Kurs" bescheinigten, wird in den Medien eher als Zeichen der Verzweiflung gedeutet. Der Trendbegriff in Berlin und darüber hinaus lautet vielmehr: "Kanzlertausch".
Florian Gasser, der das Wien-Büro der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" leitet, sieht die CDU in einer ähnlichen Situation wie die ÖVP 2017, allein: "Die CDU hat keinen Kurz." Merz spekuliert in der jetzigen Situation auf den Mangel an Alternativen - parteiinterne Konkurrenten gibt es zwar, aber keiner davon kann derzeit auf eine Mehrheit rechnen, meint auch der Außenpolitik-Journalist Christoph Zotter, der für die österreichische Tageszeitung "Die Presse" regelmäßig über Deutschland berichtet. Am Sonntag möchte Friedrich Merz offenbar das CDU-Präsidium einberufen und vor eine Wahl stellen - ihn zu unterstützen oder eben einen Nachfolger zu benennen.
Unter Merz, der sich bei seinem Antritt zugetraut hatte, mit seinem politischen Kurs die "AfD halbieren" zu können, hat sie sich nun in einem Bundesland buchstäblich verdoppelt. Ein Problem, dass konservative Parteien in ganz Europa kennen: Auch in Österreich schwimmen der ÖVP seit geraumer Zeit die Felle in Richtung FPÖ davon, auch die österreichische Schwesterpartei der AfD scheint nicht selten einen farblosen ÖVP-Kanzler vor sich herzutreiben. Wie kann man eine Volkspartei der "Mitte" dann im 21. Jahrhundert positionieren? Liegt es allein am Charisma der Parteiführung - oder hat der Rechtspopulismus mittlerweile wirklich die überzeugenderen Antworten bei den Kernthemen der Bürgerlichen? Florian Gasser und Christoph Zotter diskutieren bei Xaver Forthuber, reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
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