Apropos Klassik

Der Gerechte unter den Dirigenten

Bruno Walter - zur 150. Wiederkehr des Geburtstags

Schon in der Opern-Ära von Gustav Mahler tauchte der gebürtige "Preuße" Bruno Walter ein ins Wiener Musikleben. Im Jahr von Mahlers Tod wurde er österreichischer Staatsbürger. Bruno Walters anschließende Dirigentenkarriere in Deutschland, zwischen München, Leipzig und Berlin, wurde 1933 jäh gestoppt. Die fünf folgenden Jahre in Wien und Salzburg, in nun enger Partnerschaft mit den Wiener Philharmonikern, lassen sich bereits in bis heute hochgeschätzten Tondokumenten nachempfinden. Dann die Emigration in die USA: Bruno Walter als der Thomas Mann der Musik, als Verkörperung des "wahren", des humanistischen deutschen Geistes. Mit den New Yorker Philharmonikern zunächst, dann mit dem (eigens für ihn ins Leben gerufenen) Columbia Symphony Orchestra beginnt Walter in seinem siebenten Lebensjahrzehnt mit einer Plattenstudio-Aufnahmetätigkeit, die bis kurz vor seinem Tod andauern und zu einem Kompendium mitteleuropäischer Symphonik anwachsen wird, mit Mozart im Zentrum. Typisch für den Interpreten Bruno Walter: das hochsensible und zugleich "singende", lyrische Musizieren - nie "gepanzerter" Klang, nie die diktatorische Geste. Nicht vergessen sei: Walter war der erste von den davor in die Emigration gezwungenen Dirigenten, der den Wiener Philharmonikern wieder die Hand reichte - was hierzulande bereits als "Absolution" gesehen wurde. Die berühmte, die Jahre überdauernde Einspielung von Mahlers "Lied von der Erde" mit Kathleen Ferrier und Julius Patzak stammt aus dieser Zeit.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel