Aleksandar Vucic

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Punkt eins

Serbien: Vucic forever?

Frischer Wind und alte Seilschaften vor den Wahlen. Gast: Univ.-Prof. Dr. Florian Bieber, Professor für Südosteuropäische Geschichte und Politik am Zentrum für Südosteuropastudien der Universität und Zentrumsleiter. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat für den 25. Oktober Neuwahlen angesetzt. Knapp zwei Jahre zuvor war in Novi Sad das Vordach des frisch renovierten Hauptbahnhofs eingestürzt. 16 Menschen kamen dabei zu Tode. Eine Protestwelle, angeführt von Studierenden, erhob sich im ganzen Land. Die Menschen forderten eine lückenlose Aufklärung des Unglücks und unterstellten der Regierung Korruption und Misswirtschaft. Unter dem Druck der Proteste trat Bauminister Goran Vesic zurück, strafrechtliche Konsequenzen gab es bis heute keine.

Doch die Studenten blieben hartnäckig; sie werden als Liste "Students win", unterstützt von serbischen Oppositionsparteien, bei den Parlamentswahlen antreten. Sie sehen den Staat in Händen "krimineller Strukturen". Laut der Berliner NGO für digitale Freiheitsrechte netzpolitik.org gibt es 14 Fälle, wo die Mobiltelefone serbischer Oppositioneller mit Überwachungssoftware infiziert waren.

"Students win" gilt als stärkster Herausforderer der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) Vucics, der seinerseits Ministerpräsident werden will, falls die SNS die Wahlen für sich entscheiden sollte - eine Position, die er von 2014 bis 2017 schon einmal innehatte.
"Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass Serbien den richtigen, europäischen Weg eingeschlagen hat, ohne dabei seine traditionellen Freundschaften, seinen Nationalstolz und seine Würde aufzugeben", zitiert das Brüsseler Medienportal "Euractiv" Vucic, der betonte, wie notwendig die vorgezogenen Wahlen aufgrund der Spannungen und Spaltungen im Lande seien.

Diese "traditionellen Freundschaften" sind es, die den angestrebten EU-Beitritts Serbiens immer wieder verzögern. Serbien ist seit 2012 Beitrittskandidat, nicht zuletzt durch Aggressionen gegenüber dem Kosovo und der Weigerung, die EU-Sanktionen gegen Russland mitzutragen, fordern EU-Abgeordnete immer wieder, die Verhandlungen einzufrieren.

Neuester Stein des Anstoßes: das festlich begangene Begräbnis für den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladic. In Gegenwart hoher politischer und kirchlicher Würdenträger wurde der frühere General, der am 27. August in einer UN-Haftanstalt in Den Haag gestorben war, in Belgrad beigesetzt. 300 orthodoxe Geistliche und mehrere serbische Minister - nicht aber Präsident Vucic selbst - nahmen an der Trauerfeier teil. Die EU verurteilte die "Verherrlichung eines Kriegsverbrechers".

Alexander Musik spricht mit Florian Bieber, Professor für Südosteuropäische Geschichte und Politik am Zentrum für Südosteuropastudien der Universität Graz, über das Selbstbild Serbiens und die janusköpfige Haltung Aleksandar Vucics zwischen pro-westlichen und pro-russischen Attitüden.

Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at

Regiert Aleksandar Vucic das Land im Alleingang? Wie glaubwürdig ist sein Argument, die Neuwahlen dienten dem Abbau von Spannungen und Spaltungen? Was hätte Tito über den Zustand gesagt, in dem sich die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Serbien heute befindet?

Service

Florian Bieber: "Was Autokraten fürchten: Aufstand in Serbien und die Krise autoritärer Regime", Ch. Links Verlag, 2026

Universum History: Genosse Tito - Partisan, Volksheld, Diktator
Dauer: 1 Std. 30 Min.
Ausstrahlungstermine: 25. September, 22:35 Uhr

orf.on: Genosse Tito - 6 teilige Serie
Dauer: 30 Min.

science.orf.at

Sendereihe