Marie Rötzer

RAFAELA PRÖLL

Gedanken für den Tag

Marie Rötzer über die Bühne

von Marie Rötzer, Direktorin des Theaters in der Josefstadt

Der legendäre Theaterregisseur Peter Brook verstand seine Theaterbühne als universelle Bühne, indem er sagte: "Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn "Bühne" nennen". Denn in seinen Augen ist das Bühnenbild viel mehr als bloße Dekoration. Es ist ein Gedanke, der Raum angenommen hat.

Noch bevor der erste Satz gesprochen wird, erzählt es schon. Bestimmt, ob wir uns in einer Küche oder einem Palast wähnen. Oder in einer bloßen Idee. Anders als beim Film muss es nicht komplett sein. Es lebt von Andeutungen. Eine Küche verweist auf Familienleben. Türen stehen für Übergänge, Wände für Grenzen oder Gefangenschaft.

Ein Bühnenbild ist nie Hintergrund, immer Mitspieler. Es stellt Fragen, bevor die Figuren es tun. Wie wird es erschaffen? Nicht als Abbild, sondern als Deutung. Material, Farbe, Licht und Perspektive werden zu Sprache. Und, vielleicht ist das die schönste Metapher: Auch unser Leben spielt sich in gebauten Räumen ab, die einst entworfen wurden und deshalb veränderbar sind. Jede Gesellschaft baut ihre eigenen Kulissen, Städte, Institutionen, Symbole. Das Theater erinnert uns dabei, dass nichts naturgegeben ist. Jede Welt ist gestaltet. Und was gestaltet wurde, kann verändert werden.

Vielleicht beginnt jede gesellschaftliche Veränderung genau dort, mit der Vorstellungskraft, dass der Raum, in dem wir leben, anders aussehen könnte. Das Bühnenbild ist also nicht nur Kulisse. Es ist ein Entwurf von Wirklichkeit und manchmal die erste Skizze einer besseren Welt.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Jean Philippe Rameau 1683 - 1764
Titel: Les Indes Galantes - Suite aus dem gleichnamigen Ballet heroique
* Air des Sauvages (00:01:56)
Orchester: Orchestre de la Chapelle Royale
Leitung: Philippe Herreweghe
Länge: 01:56 min
Label: Harmonia Mundi HMC 901130

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