Im Gespräch
Mazda Memarsadeghi, iranischer Arzt
Im Gespräch mit Rosa Lyon
25. September 2026, 16:05
Mazda Memarsadeghi, 1967 im Iran geboren, wurde mit 16 Jahren - während des Iran/Irak-krieges - gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder nach Wien geschickt, um nicht "Kanonenfutter" zu werden. Die Zeit in Österreich sollte keine kurze sein, denn der Irak-Iran-Krieg zog sich von 1980 bis 1988. "Wir mussten schwimmen lernen im Ozean", nennt Mazda Memarsadeghi diese Zeit heute. Nach der Schule besuchte er die Universität. Radiologe wollte er werden, "um das Unsichtbare sichtbar zu machen". So hatte eine Nachbarin in Teheran ihren Beruf beschrieben. Und dieser Satz sollte sein Motto bleiben.
Nun arbeitet er als Standortleiter eines Radiologieinstituts in St. Gallen. Seit 2012 lebt Mazda Memarsadeghi mit seiner Frau und ihren beiden Kindern in der Schweiz. Und er lebt mit dem anderen Teil seiner Familie in Teheran mit; sein Bruder ist zurückgekehrt, die Eltern sind geblieben. Das Stadtplanungsbüro der Mutter, Guiti, führt Mazdas Bruder weiter. Es ist nicht immer leicht, Kontakt zu halten. Weder Telefonverbindungen noch Internet funktionieren verlässlich. Das ist oft schwer auszuhalten, denn die Nachrichten verfolgt Mazda Memarsadeghi Tag und Nacht. Als Arzt ist er gut vernetzt bis Teheran. Mazda Memarsadeghi ist ein politischer Kopf. Er ist kein Mitglied einer Organisation, er spricht für sich. Im Gespräch mit ORF-Iran-Korrespondentin Rosa Lyon ist "survivor´s guilt", also das Schuldgefühl, in Sicherheit zu sein, Thema. Ebenso wie das, was er aus dem Iran mitbekommt: wie die Menschen leben, was sie beschäftigt und wie sich Krieg, Ungewissheit und Repressionen auf ihren Alltag und ihre Gesundheit auswirken.
