Bruno Kreisky

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Punkt eins

Mythos Bruno Kreisky

Wie die Vergangenheit der Sozialdemokratie die Gegenwart prägt. Gast: Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner, Historikerin, Wissenschaftliche Leiterin des Bruno Kreisky Archiv. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Zu parteipolitischen Führungsdebatten kommt es in der Politik immer wieder. Die erste solche in der SPÖ gab es im Jahr 1967. Damals war die Partei auf der Suche nach einem Nachfolger für Bruno Pittermann. Eine Kampfabstimmung, bei der der eigentliche Favorit, Hans Czettel verlor. Trotz der Unterstützung der Wiener SPÖ und großen Teilen der Gewerkschaft musste er sich gegen Bruno Kreisky geschlagen geben. Am 1. Februar 1967 setzte sich Kreisky am Bundesparteitag schließlich mit 69,8 Prozent der Stimmen deutlich gegen Czettel durch.

Auch aktuell gibt es eine Obmanndebatte in der SPÖ - Gerhard Zeiler, ehemaliger ORF-Generalintendant und internationaler Medienmanager, hat vor kurzem angekündigt, für den SPÖ-Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen. Nun wird spekuliert, ob Zeiler den amtierenden Obmann und Vizekanzler Andreas Babler ablösen könnte. Diese Woche gab es noch freundliches Händeschütteln in der Öffentlichkeit - bezeichnenderweise bei der Premiere des neuen Kinofilms "Bruno - der junge Kreisky", der ab 1. Oktober in Österreich zu sehen ist.

Ein Film und eine parteipolitische Debatte, die die Erinnerung an den Langzeitkanzler und großen Reformer Bruno Kreisky wieder hochleben lassen. Viele, auch junge Menschen, die Kreisky als Politiker nie erlebt haben, beschwören die politischen Fähigkeiten der sozialdemokratischen Ikone. Zahlreiche Reformen der Regierungen Kreiskys wirken bis heute nach - sei es die Einführung des Mutter-Kind-Pass, Erleichterungen im Bildungssystem oder die Einführung der 40-Stunden Woche.

Doch auch kritische Aspekte in Kreiskys politischer Biographie werden heute ausführlich diskutiert, etwa die enge Zusammenarbeit mit bekannten Nationalsozialisten in seinem ersten Kabinett - einer SPÖ-Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ unter Friedrich Peter im Jahr 1970, in der ein Drittel der Regierungsmitglieder eine problematische NS-Vergangenheit hatte.

Der neue Kinofilm "Bruno - der junge Kreisky" beleuchtet die politischen Anfänge des Sozialdemokraten aus wohlhabendem Elternhaus und den Widerstand, den der junge Mann damals erfuhr, auch in der eigenen Partei. Wie die historische Forschung zu Bruno Kreisky solche filmischen Darstellungen einschätzt, was diese zur Verbreitung des "Mythos Kreisky" beitragen und welche Rolle die Erinnerung an diesen Ausnahmepolitiker in der Gegenwart spielt, über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit der Historikerin Maria Mesner, der Leiterin des Bruno Kreisky Archivs, das den persönlichen und politischen Nachlass Bruno Kreiskys beinhaltet.

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