LongPlay

Marlui Miranda - Ihu, Todos Os Sons

Hypnotisierende Interpretationen indigener Musik Brasiliens mit dem 1995 erschienen Album "Ihu, Todos Os Sons" von Marlui Miranda.

Das Zusammentreffen von Kulturen dreier Kontinente hat in Brasilien einen enormen Musikreichtum und große stilistische Vielfalt entstehen lassen, teilweise auch mit erheblicher internationaler Ausstrahlung - man denke nur an den Einfluss von Samba und Bossa Nova auf Jazz und Popmusik in den 1960er-Jahren. Wenig Beachtung - auch innerhalb Brasiliens - hat hingegen die indigene Musik des riesigen Landes gefunden. Manche Rhythmen, einzelne Instrumente oder bestimmte mythische Vorstellungen und Geschichten der brasilianischen Ureinwohner haben zwar auch Einzug in lokale Volksmusiken der Mehrheitsbevölkerung gehalten und immer wieder auch musikalische Avantgardisten inspiriert, echte indigene Musik aber findet sich fast ausschließlich im Rahmen ethnologischer Feldforschung.

Fundierte Studien bei verschiedenen indigenen Volksgruppen Brasiliens standen auch an der Basis des Album-Projekts "Ihu, Todos Os Sons" von Marlui Miranda. Zwei Jahrzehnte Forschung investierte die 1949 in Fortaleza geborene Sängerin und Musikethnologin und erlernte dabei auch indigene Sprachen und neue Gesangstechniken.

Das 1995 erschienene Album aber ist nicht etwa bloße Deskription für interessierte Laien, es ist in erster Linie ein künstlerisches Werk und ein fulminantes musikalisches Statement. Gemeinsam mit Partnern wie dem Sänger-Superstar Gilberto Gil, dem Vokalensemble Grupo Beijo, dem Bassisten Rodolfo Stroeter oder dem norwegischen Jazzpianisten Bugge Wesseltoft hat Marlui Miranda einen hypnotisierenden neuartigen Klangkosmos geschaffen und traditionellen indigenen Liedern durch innovative Arrangements zu einer völlig neuen Wirkung verholfen, die weniger dem Kurios-Fremden huldigt als vielmehr der universellen Kraft des traditionsbewussten, aber künstlerisch freien Musizierens.

Service

Marlui Miranda - Ihu, Todos Os Sons
Pau Brasil - PB-001, 1995

Sendereihe

Gestaltung

  • Michael Neuhauser