Han Kang

YESEUL JEON

Radiogeschichten

Vegetarismus als Rebellion

"Die Vegetarierin". Von Han Kang (aus dem Koreanischen von Ki-Hyan Lee). Es liest Nikolaus Kinsky.

Der Nobelpreis für Literatur wurde 2024 an die Südkoreanische Schriftstellerin Hang Kang verliehen. Das wohl bekannteste Werk der 1970 geborenen Autorin ist "Die Vegetarierin", der Roman wurde auch mit dem Bookerprize ausgezeichnet.

"Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar. Um ehrlich zu sein, fand ich sie bei unserer ersten Begegnung nicht einmal attraktiv."
Das sagt Jong, selbst ein durchschnittlicher Mann aus Südkorea, der, als es ans Heiraten ging, nichts wollte als eine brave, unterwürfige Hausfrau. Und genau die hat er in Yonghee gefunden. Bis zu dem Tag, an dem sie zur Vegetarierin wird. Alles Fleisch wird aus dem Haushalt verbannt. Chong bekommt nur mehr Algensuppe, Sojabohnenpaste und Reis aufgetischt. Yonghee leidet unter Albträumen und Schlaflosigkeit. Ich hatte einen Traum, ist ihre immer gleichlautende, schlichte Antwort auf seine Fragen nach ihrem Zustand. Han Kangs Roman Die Vegetarierin ist die Geschichte einer stillen Auflehnung.

In Kangs Heimat wird Vegetarismus von der fleischliebenden, traditionellen Gesellschaft als subversive Rebellion begriffen. Ihre Charaktere agieren in diesem strengen Korsett aus Hierarchien und Rollenbildern. Keiner von ihnen ist heil, nur ringen sie mehr oder weniger stark um die aufrechte Haltung der Fassade. Und Gewalt kann jederzeit aus jedem schlichten Satz hervorbrechen. Nikolaus Kinsky liest einen Ausschnitt aus Han Kangs "Die Vegetarierin".

Service

Han Kang, "Die Vegetarierin", übersetzt von Ki-Hyang Lee; Aufbau Verlag

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