Im Fokus - Religion und Ethik

Mit diesem Thema im Fokus: 40 Jahre Landreform in Brasilien

Im Juli 1986 zieht eine Prozession von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in die nordostbrasilianische Gemeinde Ouriçangas ein und errichtet dort ein Kreuz. Das religiöse Symbol wird zum Wahrzeichen des Widerstands - und eines historischen Sieges: Der ersten erfolgreichen Landbesetzung Brasiliens. Den Landbewohnern und Landbewohnerinnen war offiziell ein 54.000 Hektar großes Areal zugesprochen worden, das für etwa 1.000 Bauernfamilien zu einem Ort der Hoffnung werden sollte. Das Land war zuvor vom Großgrundbesitz "Companhia Sertaneja Agropastoril" kontrolliert worden. Am 8. Jänner 1986 hatte Präsident José Sarney das Enteignungsdekret unterzeichnet.Diese Agrarreform im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia markiert einen historischen Meilenstein für die Neue Republik, die sich gerade erst von den finsteren Jahren der Militärdiktatur zur Demokratie zurückentwickelte. Zwei Jahre später sollte die Agrarreform, also die Möglichkeit, brachliegendes Land von Großgrundbesitzern zu enteignen und an landlose Familien zu übergeben - sogar in der brasilianischen Verfassung festgeschrieben werden.

Doch der Kampf der Landlosen in Angical war hart und blutig. Ein Denkmal hinter der Kathedrale in der Stadt Barreiras erinnert an all jene, die dabei ihr Leben verloren haben. Von Beginn an wurde dieser Landkonflikt in Bahia von österreichischen Priestern und später von Entwicklungshelfern begleitet, ausgesandt durch den ÖED, heute HORIZONT3000.

Heute, genau 40 Jahre später, umfasst die Siedlung "Reforma de Angical" 19 Gemeinden und dient als Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in der Region. Der Filmemacher Thomas Bauer stammt aus Vorarlberg, aber lebt bereits seit Jahrzehnten in Brasilien. Er hat zahlreiche Zeitzeugen und Zeitzeuginnen interviewt und zeichnet ein eindrucksvolles Bild der ersten erfolgreichen Landbesetzung Brasiliens.

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