Karl Richter

Karl Richter - APA-IMAGES/DPA/KLAUS HEIRLER

Stimmen hören

Untrennbar: Karl Richter und Johann Sebastian Bach

Was bleibt vom einstigen Münchener Leuchtturm-Projekt?

In einer Ära von komplett anderen Bach-Idealbildern in Tempo und Klang, zwischen John Eliot Gardiner und Raphael Pichon, braucht es Muße und Phantasie, ja eine spezielle Form "historischer Informiertheit", sich in die Zeit zurückzuversetzen, in der Karl Richter weithin als "die" Institution für die Wiedergabe speziell von Johann Sebastian Bachs Vokalwerken galt. Es mag geholfen haben, dass Richter, der ausgebildete Organist, zwar aus Dresdner und Leipziger Schulen kam, aber 1951 der DDR den Rücken kehrte und sich ausdrücklich zur BRD bekannte. Weiters, dass er sich mit dem Münchener Bach-Chor und -Orchester Hochklasse-Ensembles schuf, mit denen "plattenreife" Präzision jederzeit gegeben war. In erster Linie aber war es Karl Richters vermittelnde Stellung zwischen emotionaler Aufladung der Bach'schen Kompositionen einerseits und objektivierender Notentreue andererseits, die ihn für eine Generation zum die Konzertsäle und den Plattenmarkt dominierenden Bach-Dirigenten machte. Richter-Konzerte wirkten als spirituelle Erlebnisse, ohne dass dafür klanglicher "Weihrauch" vom Podium kommen musste. Diese seine dominante Position machte Karl Richter (1926-1981) - nicht unerwartet! - auch zum Reibebaum für die sich manifestierende "historische Aufführungspraxis", für die er, der nie auf "Originalinstrumente" gesetzt hatte, kein Verständnis aufbrachte. Die Tragik von Richters allerletzten Lebensjahren: das eigene "Altmodisch-Werden" noch miterleben zu müssen.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel