Salka Viertel

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Hörbilder

Das Gewissen Hollywoods. Salka Viertel und ihre berühmten Gäste

Ein Haus am Pazifik, Tischtennis mit Greta Garbo, Kuchen für Thomas Mann und hitzige Debatten mit Bert Brecht: In der Mabery Road 165 in Santa Monica schlug jahrzehntelang das Herz des europäischen Exils. Die Gastgeberin: Salka Viertel - Schauspielerin, Drehbuchautorin, Netzwerkerin und rettender Anker für die vor den Nationalsozialisten Geflüchteten.

Salka Viertel, 1889 als Salomea Sara Steuermann im galizischen Sambor geboren, ging bereits 1928 mit ihrem Mann, dem Wiener Literaten Berthold Viertel, und den drei gemeinsamen Kindern nach Hollywood. Ihren Beruf als Schauspielerin musste sie aufgeben - und erfand sich kurzerhand als Drehbuchautorin neu. Eng befreundet mit Greta Garbo, schrieb sie vor allem Rollen für die schwedische Filmdiva.

Als nach 1933 die von den Nationalsozialisten Vertriebenen in Kalifornien ankamen, war Salka Viertel schon da. Ihr Haus in der Mabery Road 165 wurde zum Treffpunkt für alle: exilierte Neuankömmlinge und Hollywood-Größen, Filmstars und Literaturschaffende, Berühmtheiten und jene, die es (noch) nicht waren - Greta Garbo, Charlie Chaplin, Christopher Isherwood, Bert Brecht, Helene Weigel, Klaus, Erika, Katia und Thomas Mann und viele mehr. Es wurde Tischtennis gespielt und Kuchen serviert, über Politik und Filmbusiness diskutiert, Klatsch und Tratsch ausgetauscht. Als Heinrich Mann 1941 in der Mabery Road seinen 70. Geburtstag feierte, kam - in finsterster Zeit für Europa - die gesamte deutschsprachige Exilgemeinschaft zusammen: Kunstschaffende, Literatinnen und Literaten, Intellektuelle. Und alle schöpften an diesem Abend neue Hoffnung.

Salka Viertel war eine politisch engagierte, empathische Frau, die sich wenig um gesellschaftliche Konventionen scherte - und dafür in der paranoiden Ära der Nachkriegs-USA bestraft wurde: Sie bekam keine Schreibaufträge mehr. Schließlich verließ sie die Vereinigten Staaten und lebte bis zu ihrem Tod 1978 im schweizerischen Klosters.

Ausschnitte aus ihren ebenso unterhaltsamen wie dramatischen Memoiren "Das unbelehrbare Herz. Erinnerungen an ein Leben mit Künstlern des 20. Jahrhunderts" werden ergänzt durch O-Töne von drei Generationen ihrer Nachkommen. Die Historikerin Katharina Prager, stellvertretende Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus und Salka-Viertel-Expertin, liefert wertvolle Hintergrundinformationen.
So setzen die Hörbilder einer bemerkenswerte, zu Unrecht vergessene Frau und ihren Salon ein akustisches Denkmal.

Feature von Christine Marth
Sprecher:innen:
Ton:
Redaktion: Jürgen Pettinger

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