Thomas Bernhard auf seinem Vierkanthof in Ohlsdorf, 1981

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Tonspuren

Thomas Bernhards globales Echo

Die anklagende Stimme aus dem Ohlsdorfer Vierkanthof ist weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt. Thomas Bernhards Stil provoziert nicht nur, sondern erweist sich auch als literarischer Katalysator für internationale Schreibende.

1986 prophezeite die New York Times das "Age of Bernhard". Und tatsächlich: Vierzig Jahre später lassen sich in der ganzen Welt literarische Verwandte des österreichischen Autors identifizieren. Nicht ohne Grund gilt Bernhard als "writer's writer". Diese "Ausstrahlung", nach der es Thomas Bernhard zu Lebzeiten verlangte, erleben einige Autor:innen als belebend, andere als zerstörerisch. Sicher ist, dass ihr Schreiben sich durch und mit Bernhard verändert hat.

Von Literaturnobelpreisträger:innen bis zu heimischen Jungautor:innen lassen sich rund 200 Schreibende ausmachen, die in literarischer Verbindung zu Thomas Bernhard stehen. Das Projekt "GlobalBernhard" geleitet von der Literaturwissenschaftlerin Juliane Werner, versammelt Autor:innen aus aller Welt mit Bezug zu Thomas Bernhard und macht diese Verbindungen unter anderem auf der Website der Universität Wien sichtbar.

Die "Tonspuren" springen diesmal von Sprache zu Sprache, um der Wirkkraft eines "universellen" Stilisten nachzuspüren. Zu hören sind Stimmen und Texte von Literaten wie Markku Paasonen aus Finnland, Andrej Nikolaidis aus Montenegro, Zoe Dubno aus den USA und Michael Stavaric aus Österreich, die mit ihren Werken Bernhards Geist beschwören oder sich dessen bemächtigen. Für die einen ist er ein literarischer Popstar, für die anderen ein invasiver Virus. Selbst die Künstliche Intelligenz bleibt vom Bernhard-Stoff nicht unberührt. Was für eine Zumutung!

"Wirkung ist letzten Endes etwas Furchtbares"
Thomas Bernhards globale Wiedergänger
Feature von Severin Weh
ORF 2026

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