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Punkt eins
Brasiliens Perspektiven nach der Wahl
Aufholjagd, Flucht, und ein polarisiertes Land. Gäste: Univ.-Prof. Dr. Andreas Novy, Vorstand des Instituts für räumliche und sozial-ökologische Transformationen, Wirtschaftsuniversität Wien; Chrislane Barros Bomfim da Silva, Aktivistin. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
29. Oktober 2026, 13:00
Nach einer historischen Aufholjagd konnte Luiz Inácio Lula da Silva die Präsidentschaftswahl in Brasilien doch noch gewinnen. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober lag er noch hinter seinem Kontrahenten, dem ultrarechten Senator Flávio Bolsonaro - Sohn des wegen eines Putschversuchs inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Beobachter:innen sahen Flávio Bolsonaro auch in der Stichwahl vorne. Doch in den drei Wochen bis zum 25. Oktober gewann Lula mehr als zehn Millionen Stimmen dazu und feierte schlussendlich mit knapp vier Prozentpunkten Vorsprung den Sieg. Er tritt seine vierte Amtszeit an.
"Die Wähler:innen widersetzten sich den Vorhersagen und zeigten, dass Demokratie unerwartete Ergebnisse produzieren kann", schrieb die New York Times. Damit bremste Brasilien den Rechtsruck in Lateinamerika ein, hieß es weiter. Allerdings erlangten die konservativen und rechten Kräfte bei den Parlamentswahlen, die ebenfalls am 4. Oktober stattfanden, eine Mehrheit. Man werde das Parlament zu einer "Festung" gegen die linke Regierung machen, kündigte Flávio Bolsonaro vergangenen Montag noch an. Am Tag danach flüchtete er in die USA.
Die brasilianische Justiz ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Korruption. Der Oberste Gerichtshof hatte ein Ausreiseverbot gegen Flávio Bolsonaro verhängt. Er hätte seine Reisepässe abgeben sollen.
Unerwartete Wendungen, Vorhersagen, die nicht eingetroffen sind, Mobilisierungen auf den Straßen und auf Social Media, Ermittlungen, Flucht - die Ereignisse rund um die Wahlen in Brasilien lesen sich wie ein Drehbuch. Doch wie geht es hinter all dem mit dem größten Land Lateinamerikas weiter?
"Viele Menschen wollen eine Veränderung", heißt es in den Kommentaren. Welche Erwartungen haben die Menschen jetzt? Wie können ihre Sorgen rund um Sicherheit und Leistbarkeit - zwei wichtige Themen im Wahlkampf - gelöst werden? Wie geht Lula mit der Polarisierung in der Gesellschaft um, möchte er doch ein "Präsident für alle" sein? Mit welchen politisch einflussreichen Gruppen muss er Kompromisse finden? Wie werden sich die internationalen Beziehungen Brasiliens entwickeln, speziell zu den USA? Donald Trump hatte sich zwar nicht direkt für Flávio Bolsonaro ausgesprochen, die beiden stehen einander allerdings politisch nahe. Welche Bedeutung haben die Wahlergebnisse über Brasilien hinaus?
Andreas Novy forscht seit vielen Jahren über Brasilien. Dennoch überraschten ihn die Ereignisse ebenso wie viele andere Kenner:innen der Landes. Chrislane Barros Bomfim da Silva verfolgte die Wahlkämpfe auf Social Media und in den brasilianischen Nachrichten und war im Sommer selbst vor Ort. Als Gäste bei Marina Wetzlmaier ordnen sie die Entwicklungen ein und sprechen über die Perspektiven Brasiliens.
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