Spielräume Spezial
Gnawa - spirituelle Trance-Musik aus Marokko
Die Ursprünge der marokkanischen Gnawa-Tradition und ihre Verbindungen zum Gegenwartsjazz
1. November 2026, 17:10
Die Ursprünge der Gnawa-Musik finden sich in Ritualen von nach Marokko verschleppten west- und zentralafrikanischen Sklaven und Sklavinnen. Getragen wird die Musik von der dreisaitigen Gimbri und den metallischen, eisernen Qraqibs, die den pulsierenden Rhythmus vorgeben. Gemeinsam bilden sie das musikalische Zentrum der sogenannten Lila (arabisch für Nacht), einer nächtlichen Heilungszeremonie, die Musik, Trance und Geisterbeschwörung vereint. Im Jahr 2019 nahm die UNESCO diese Tradition in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Als einflussreiche und prägende Meister (Maâlems) dieser Musik gelten Mahmoud Ghania mit seinem virtuosen Spiel auf der Gimbri sowie Hamid El Kasri und Abdelkbir Marchane. Auch der Jazz näherte sich immer wieder der Gnawa-Tradition an. Der US-amerikanische Pianist Randy Weston ließ sich 1968 für einige Jahre in Marokko nieder und veröffentlichte 1994 das Album "The Splendid Master Gnawa Musicians of Morocco". Eine Verbindung zum österreichischen Jazz ergibt sich einerseits über den berühmten Wiener Keyboarder Joe Zawinul, in dessen Band The Zawinul Syndicate der Marokkaner Aziz Sahmaoui spielte, der nach Zawinuls Tod 2007 mit seinem eigenen Projekt University of Gnawa den Trance-Groove weitertrug. Und andererseits setzt Shake Stew-Mastermind Lukas Kranzelbinder die Gimbri regelmäßig in den Konzerten ein.
Die Spielräume Spezial mit einem Blick auf die rituellen Wurzeln und die großen Meister der Gnawa-Musik sowie der Fortsetzung dieser Tradition im internationalen und heimischen Jazz.
