Memo - Ideen, Mythen, Feste

Aus Sorge um das Seelenheil

Die "Totenbruderschaft" und andere "Confraternitates"

Fünf "Vater unser" und fünf "Ave Maria" pro Tag für die armen Seelen im Fegefeuer: Dazu mussten sich die Mitglieder der "Totenbruderschaft" verpflichten. Sie sorgten außerdem als besonderer Akt der Nächstenliebe auch nach einer Hinrichtung für ein christliches Begräbnis.

Die "Arme-Seelen"- oder "Fegefeuer-Bruderschaften" sind nur ein Beispiel für hunderte "Confraternitates", die in der frühen Neuzeit bis zu ihrer Auflösung durch Kaiser Joseph II. das kirchliche, soziale und kulturelle Leben in Österreich geprägt haben. Ihr zentraler Vereinszweck war allerdings die Förderung der Frömmigkeit - und damit hatten sie auch eine wichtige Rolle in der Rekatholisierung des Landes nach der Reformation. Ihren Sitz hatten die Bruderschaften immer in einer Kirche, für die sie eine wesentliche Einnahmenquelle waren. Einige Bruderschaften förderten gezielt die Verehrung eines Heiligen - und ließen daher in ihrer Kirche einen eigenen Thekla- oder Rochus-Altar errichten. Für die Feier des jeweiligen Namensfestes wurden eigene Musikstücke in Auftrag gegeben. Die Bruderschaft mit dem höchsten Sozialprestige in Wien war die "Gottsleichnamsbruderschaft" in St. Stephan: Sie sorgte (wie ihr Name andeutet) für die barock-aufwändige Gestaltung des "Stadtumgangs" zu Fronleichnam.

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