APA/HANS KLAUS TECHT
Betrifft: Geschichte
Hassrede und Demagogie
Die Geschichte des Populismus. Mit: Ruth Wodak, Sprachsoziologin und Diskursforscherin, emeritierte Professorin für Angewandte Sprachwissenschaften der Universität Wien und der Lancaster University. Gestaltung: David Winkler-Ebner.
3. November 2026, 15:55
Den einen Populismus gibt es nicht. Viel eher existieren verschiedene Populismen, die mit Begriffen wie Rechts- und Linkspopulismus, Autoritarismus und "illiberale Demokratie" beschrieben werden. Die Wurzeln des Populismus reichen bis in die griechische und römische Antike zurück. Seitdem aber Jörg Haider 1986 in Innsbruck den Parteivorsitz der FPÖ übernommen hat, ist vor allem der Rechtspopulismus ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.
Rechtspopulistische Parteien und Ideen haben sich in Europa und auch anderen Teilen der Welt stetig verbreitet. Die jüngste Entwicklung dieses Phänomens bezeichnet die Sprachsoziologin und Diskursforscherin Ruth Wodak als "schamlose Normalisierung" des Rechtspopulismus. Rechtspopulistische Politik und die damit verbundene Rhetorik gelten nicht länger als extrem, sondern sind im politischen Mainstream angekommen. Mitte-Links-Positionen hingegen werden zunehmend marginalisiert und Etiketten wie "liberal" und "sozialdemokratisch" zu Beleidigungen.
Jede rechtspopulistische Bewegung ist einzigartig und nur vor dem historischen Hintergrund zu verstehen, in dem sie entstanden ist. Dennoch bestehen Gemeinsamkeiten. Rechtspopulist:innen bieten einfache Erklärungen für komplexe, oftmals globale Probleme. Sie stellen das "wahre Volk" den "korrupten Eliten" gegenüber. Sie grenzen das "Fremde" aus, um das "Eigene" zu erschaffen und tatsächliche wirtschaftliche und politische Konflikte klammern sie aus, um stattdessen über Symbole und Werte zu streiten. Infolge diskutieren wir nicht länger über Gräben zwischen Arm und Reich, sondern über das Kopftuch und Minarette.
Ruth Wodaks diskurshistorischer Ansatz richtet den Blick auf die Mikropolitik des Rechtspopulismus, der in einer "Politik mit der Angst" die zahlreichen Krisen einer globalisierten Welt instrumentalisiert, um Ressentiments zu schüren und sich selbst als Rettung zu stilisieren. Eine solche Darstellung muss zwangsläufig unvollendet bleiben, denn die soziopolitischen Gegebenheiten ändern sich fortlaufend und mit ihnen das Phänomen des Rechtspopulismus.
Service
Ruth Wodak, Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Diskurse, Edition Konturen: Wien-Hamburg 2020.
Ruth Wodak/Markus Rheindorf, Babyelefant und Hausverstand. Wie Krisen produziert werden (Picus Konturen), Picus Verlag: Wien 2026.
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