Midterm-Wahlen in den USA 2026: Menschen stellen sich vor einem Wahllokal an

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Punkt eins

Lame Duck im Lake America?

Nach den US-Wahlen: Die Neuaufstellung der US-Demokratie. Gäste: Prof. Dr. Claudia Brühwiler, Dozentin für amerikanisches politisches Denken und Kultur, Universität St. Gallen & Alexandra Lieben, stv. Direktorin, Ronald W. Burkle Center for International Relations, UCLA. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Bei den Zwischenwahlen in den USA am Dienstag waren alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu zu vergeben, wie alle vier Jahre in der Mitte der Amtszeit des US-Präsidenten. Gleichzeitig standen 35 der 100 Senatorinnen und Senatoren mit ihrer sechsjährigen Funktionsperiode zur Wahl. Umfragen vor der Wahl sahen es als so gut wie sicher an, dass die oppositionellen Demokraten die drei nötigen Sitze und damit die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen würden. Auch im Senat konnten sie sich gute Chancen ausrechnen, die Mehrheit zu erlangen. Für Donald Trump könnte das für die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit deutlich mehr Gegenwind bedeuten: Bis jetzt hatte er mit Mehrheiten in beiden Kammern praktisch durchregiert.

So konzentrierte sich ein großer Teil der medialen Aufmerksamkeit auf die direkt in den Bundesstaaten gewählten Senator:innen. Für die Demokraten galt es, vier Sitze zu "drehen" und zwei Bundesstaaten zu halten, in denen Trump 2024 eine Mehrheit erhalten hatte. In Georgia war das der charismatische Politiker Jon Osoff, der mit kämpferischer, aber mitreißender Rhetorik die Antwort auf den rücksichtslos scharfen Rechtspopulismus aus der Regierung gefunden haben könnte - das meinen zumindest einige, auch internationale Beobachter:innen. In Michigan versuchte der progressive Demokrat Abdul El-Sayed, als erster Muslim in den Senat einzuziehen - während die Republikaner:innen vom Präsidenten abwärts gegen ihn vom Leder zogen.

Persönliche und zutiefst untergriffige Attacken, Vermischung von Parteifunktionen und Regierungsämtern, Fake News und taktische Verwirrspiele haben den Wahlkampf eines zutiefst gespaltenen Landes geprägt. Dass die "Midterms" immer auch eine Abstimmung über den aktuellen Präsidenten sind, ist kein Geheimnis; Donald Trump hat diesmal sogar selbst dazu aufgerufen, entsprechend zu wählen. Indessen treffen seine Kriegs- und Zollpolitik die US-Amerikaner:innen dort, wo es spürbar wehtut: Die steigenden Lebenshaltungskosten und Treibstoffpreise standen kurz vor der Wahl ganz oben auf der Liste der Wähler:innenmotive.

Trumps Zustimmungswerte waren dementsprechend seit geraumer Zeit im Keller, und die Demokrat:innen geloben für die letzten zwei Jahre seiner verbleibenden Amtszeit wieder deutlich mehr Kritik und Kontrolle durch das Parlament. Kann sich die angeschlagene US-Demokratie wieder erholen - auf institutioneller Ebene und auf gesellschaftlicher? Was haben die Wahlen verändert, was nicht?

Xaver Forthuber analysiert die US-Midterms mit seinen Gästen: Claudia Brühwiler ist Professorin für politische Theorie und Amerikastudien an der Universität St. Gallen; sie lehrt und forscht unter anderem über Politik und politische Kultur in den USA. Die österreichische Soziologin und Konfliktforscherin Alexandra Lieben lebt seit Jahrzehnten in den USA; sie ist stellvertretende Direktorin des Zentrums für internationale Beziehungen an der Universität von Los Angeles und außerdem Präsidentin von ASciNA (Austrian Scientists & Scholars in North America).

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