Betrifft: Geschichte
Tansania und seine koloniale Vergangenheit
Gestaltung: Barbara Volfing.
10. November 2026, 15:55
Am 26. April 1964 schließen sich Tanganjika und die Volksrepublik Sansibar und Pemba zu einem Staat zusammen, der ab Herbst 1964 Vereinigte Republik Tansania heißt; der Name verbindet die Anfangssilben der beiden Landesteile. Das Festland Tanganjika ist erst zweieinhalb Jahre zuvor, am 9. Dezember 1961, unabhängig geworden - auf friedlichem Weg, vorangetrieben von der Tanganyika African National Union (TANU) unter dem Lehrer Julius Nyerere, dem späteren ersten Präsidenten des Landes. Damit endet eine mehr als sieben Jahrzehnte dauernde Fremdherrschaft, zunächst unter deutscher, dann britischer Kontrolle.
Den Rahmen dafür setzt die Berliner Afrika-Konferenz 1884/85, die Regeln für die europäische Landnahme festlegt. Unmittelbar nach dem Ende der Konferenz stellt das Deutsche Reich Gebiete in Ostafrika unter seinen "Schutz", verwaltet durch die privat geführte Deutsche Gesellschaft für Kolonisation - daraus wird die Kolonie Deutsch-Ostafrika, deren Kern das heutige Festland Tansanias bildet.
Die Herrschaft ist von Beginn an umkämpft. 1891 übernimmt das Reich die Verwaltung selbst, doch der Widerstand hält an und gipfelt in den Maji-Maji-Krieg von 1905 bis 1907, den die Kolonialtruppen mit einer Strategie der verbrannten Erde niederschlagen. Mit der Fremdherrschaft und der Gewalt kommt das Sammeln: Waffen, Instrumente oder rituelle Gegenstände gelangen als Beute ebenso nach Deutschland wie für die "rassenkundliche Forschung" bestimmte menschliche Überreste.
Während des Ersten Weltkriegs erobern britische und belgische Truppen die Kolonie, 1918 kapitulieren die deutschen Truppen. Großbritannien verwaltet Tanganjika danach als Völkerbundsmandat, ab 1946 als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen. Die britische Zeit ist weniger von Kriegsgewalt geprägt, doch auch sie bringt Sammlungen nach Europa, etwa Dinosaurierfossilien aus Tendaguru ins Londoner Natural History Museum. Wie viele Objekte aus Tansania in deutschen oder britischen Museen gelagert sind, ist bis heute nicht vollständig erfasst. Seit fast 65 Jahren ist Tanganjika unabhängig, die Frage der Rückgabe bleibt offen: Abgeschlossene Restitutionen gibt es bisher kaum.
Der Blick auf die Museumssammlungen hat sich jedoch verändert. In gemeinsamen Projekten untersuchen deutsche und tansanische Forschende ausgewählte Beutestücke aus den Kolonialkriegen und deren Provenienz. Wer erzählt wessen Geschichte? Diese Frage stellt die Ausstellung "Geschichte(n) Tansanias" des Humboldt Forums in Berlin - und auch die aktuelle Sendereihe zur Kolonialgeschichte Tansanias und deren Aufarbeitung.
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- Barbara Volfing
