Olivenzweige mit Olive auf einem Ast

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Cade l'Uliva (Es fällt die Olive)

Musik aus allen Richtungen mit Mirjam Jessa. Harte Frauenarbeit, bitterschöne Lieder und das wenig bekannte Kulturgebiet der Aurunker

Der Spätherbst ist auch in Italien die Zeit der Olivenernte. Einst wurde diese monotone, körperlich anstrengende und fordernde Arbeit vor allem von Frauen ausgeführt. Um durchzuhalten, die Arbeit zu rhythmisieren, aber auch über weite Distanzen miteinander zu kommunizieren, haben sie gesungen.

Das bekannteste Olivenerntelied ist in den Abruzzen als "Casca l'uliva" bekannt, als "Cade l'uliva" mit anderem Text und gleicher Melodie in der Toskana. 1856 wurde es erstmals in einer Sammlung toskanischer Volkslieder veröffentlicht, 1965 erschien es auf der maßgeblichen LP "Bella Ciao" von Il Nuovo Canzoniere Italiano, gesungen von der Ethnomusikologin und Sängerin Giovanna Marini. Später adaptierte es Domenico Modugno mit eigenem Text.

Im Gebiet zwischen Rom und Neapel, wo das Latium an Kampanien grenzt, lagen in vorrömischer Zeit die Ländereien der Aurunker. Dort, an den Hängen des erloschenen Vulkans Roccamonfina, haben die beiden Sängerinnen Immacolata Argiento und Maura Sciullo über ein Vierteljahrhundert alte Arbeits- und Festtagslieder gesammelt, Feld- und Naturaufnahmen gemacht.

Nun fahren sie als Ensemble ficufresche die Ernte dieser Recherche ein mit dem Album "Voci Dalle Toraglie". Wobei sie manches nur von traditioneller Perkussion begleitet interpretieren, bei anderen Liedern kommen äußerst sparsam einzelne Instrumente wie Flöte oder Akkordeon zum Einsatz. Dazwischen setzen sie immer wieder Feldaufnahmen.

Ein reichhaltiges, kleinteiliges Album, wie es heutzutage kaum noch produziert wird, das beweist, dass lange noch nicht alle Schätze der Volksmusik gehoben sind und wie lohnend, inspirierend und vergnüglich so eine Spurensuche ist.

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