Demonstrantin mit aufgemalter, roter Hand im Gesicht

APA-IMAGES/AFP/NORBERTO DUARTE

Gedanken für den Tag

Männer zwischen Allmacht und Ohnmacht

von Martin Fischer, evangelischer Theologe

Vom 25.11.-10.12.2026 findet die internationale Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" statt. Dass es diese Kampagne braucht, ist unsäglich. Und das hat ursächlich mit Männern zu tun. Was eine Reihe von grundsätzlichen Fragen aufwirft. Warum agieren Männer so? Warum reagieren Männer so? Wie kommt es, dass viele, in jedem Fall: zu viele, Männer meinen, gewaltvoll gegen Menschen im Allgemeinen und gegen Frauen im Besonderen agieren zu können, zu dürfen, ja zu müssen? Sind Männer so? Oder vielleicht doch: So sind wir nicht? Oder gemahnen uns die Gisèle Pelicots dieser Welt nicht daran, dass dies hehres Wunschdenken sein könnte?

Da "steht der Mensch, ein Mann und König der Natur" heißt es in Joseph Haydns "Schöpfung" in großer Selbstverständlichkeit. Der Mensch ist der Mann, die Frau ist das Andere, heißt es bei Simone de Beauvoir pointiert. Was aber, wenn Mann merkt, dass er für das, was mit Überordnung verbunden ist, keinerlei Fähigkeit hat? So ein Mann merkt genau, dass er Erwartungen nicht erfüllen, aber dem "Muss" nicht entgehen kann. Darin liegt eine wesentliche Wurzel interpersonaler Gewalt.

Service

Podcast abonnieren

Sendereihe

Gestaltung