Radiokolleg
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Die Spur, die alle hinterlassen
26. November 2026, 09:05
Auf einem Bildschirm ist die Reise eines Menschen zu sehen. Sie beginnt in Deutschland, führt durch Österreich und endet in Ungarn. 39 Standortpunkte zeichnen den Weg nach. Die Person hat auf keinen verdächtigen Link geklickt. Das Smartphone wurde nicht mit Spionagesoftware infiziert. Sämtliche Daten stammen aus Apps und dem Geschäft mit digitaler Werbung.
Bei jedem Aufruf einer App mit Werbung werden innerhalb von Sekundenbruchteilen Daten weitergegeben: eine Kennnummer des Telefons, der ungefähre oder genaue Standort, manchmal auch Angaben über andere verwendete Apps und persönliche Interessen. Methoden, um den Nutzerinnen und Nutzern die passende Werbung auszuspielen. Doch die dahinterstehenden Datenhändler verkaufen sie an jede und jeden; Auch an Unternehmen der Überwachungsindustrie.
Eines dieser Unternehmen vertreibt das System "Webloc". Es soll Zugriff auf Standortdaten von bis zu 500 Millionen Mobilgeräten ermöglicht haben. Auf einer Karte lässt sich ein Gebiet markieren und nach Telefonen suchen, die sich dort aufgehalten haben. Das kann nicht nur Aufschluss darüber geben, wo jemand wohnt, oder arbeitet, auch Verbindungen zwischen Menschen können sichtbar werden, etwa, wenn ihre Geräte wiederholt zur selben Zeit am selben Ort auftauchen.
Der österreichische Datenforscher Wolfie Christl ist Research Fellow am Citizen Lab und untersucht, wie die Werbewirtschaft persönliche Daten sammelt, verknüpft und weiterverkauft.
Welche neue Form der Überwachung daraus entstanden ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Citizen Lab zum System "Webloc". Wer es besitzt, muss nicht wissen, welche Person überwacht werden soll. Es genügt, auf einer Karte einen Ort und einen Zeitraum festzulegen. Webloc zeigt in Folge, welche Mobilgeräte dort erfasst wurden und man kann verfolgen, woher die Menschen kamen, wohin sie weitergingen und an welchen Orten sie regelmäßig auftauchen. So können aus namenlosen Geräten konkrete Menschen, ihre Wohnorte, Arbeitsplätze und Kontakte ermittelt werden.
Auch Österreich taucht in der Recherche auf. Das Innenministerium kaufte Ende 2024 für rund 850.000 Euro "Tangles", ein System desselben Herstellers, das Informationen aus sozialen Netzwerken und dem Internet sammelt und miteinander verknüpft. Ob die Erweiterung, "Webloc", ebenfalls gekauft worden ist, wollte das Ministerium nicht bekannt geben.
Der vierte Radiokolleg-Teil erzählt von einer Überwachungsindustrie, die keine geheimen Sicherheitslücken mehr braucht, da die Daten, mit denen sich Menschen verfolgen lassen, von Smartphone-Apps für die Werbewirtschaft gesammelt und auf dem Datenmarkt verkauft werden.
