Im Fokus - Religion und Ethik
Die Kinder kamen nicht zurück
Mit diesem Thema im Fokus: Wie Kanadas Residential Schools bis heute nachwirken
2. Dezember 2026, 16:05
Kanada gilt international als Musterland für Multikulturalismus und Versöhnung. Doch hinter diesem Selbstbild verbirgt sich eine Geschichte, die das Land bis heute erschüttert: die Geschichte der Residential Schools. Mehr als hundert Jahre lang wurden rund 150.000 indigene Kinder ihren Familien entrissen und in Internate gebracht, die der kanadische Staat gemeinsam mit christlichen Kirchen betrieb. Dort sollten sie ihre Sprache, Kultur und Identität aufgeben. Viele Kinder wurden misshandelt, Tausende starben. Untersuchungen auf ehemaligen Schulgeländen, bei denen Hinweise auf bislang unbekannte Gräber gefunden wurden, haben die Geschichte dieser Einrichtungen international ins Bewusstsein gerückt.
Der Journalist Michael Marek hat in British Columbia drei Angehörige der First Nations getroffen, deren Lebensgeschichten unterschiedliche Erfahrungen mit diesem System und seinen Folgen sichtbar machen. Er verbindet ihre persönlichen Berichte mit der historischen Aufarbeitung und fragt, wie die Politik der erzwungenen Assimilation bis heute indigene Gemeinschaften prägt, wie Traumata über Generationen weiterwirken und warum die Auseinandersetzung mit den Residential Schools zu einem zentralen Konflikt der kanadischen Erinnerungskultur geworden ist. - Gestaltung: Michael Marek
