Im Fokus - Religion und Ethik
Die Raunächte
Mit diesem Thema im Fokus: Faszination zwischen den Jahren
30. Dezember 2026, 16:05
Jedes Jahr Anfang Jänner treffen sich Julia-Christin Casdorf und Chris Knoll mit ihrer Freundesgruppe im Alpbachtal in Tirol. Gemeinsam sind sie die Metal-Band "Perchta". Sie setzen sich Masken aus langen Hanf- und Flachssträhnen auf und ziehen sich alte Dirndl an. Mit Besen in den Händen ziehen sie so von Haus zu Haus. Die Freundesgruppe praktiziert damit einen uralten Brauch aus dem Alpenraum, der auch Namensgeber für ihre Band ist: das "Perchtlgehen": Gruppen von sogenannten Perchten kehren das Böse, Dunkle aus den Häusern aus und das Licht und die Wärme wieder hinein. Es ist einer von vielen Bräuchen, die während der Raunächte stattfinden.
Die Nächte vom 24. Dezember bis zum 6. Jänner gelten für viele Menschen immer noch als besonders: Ein Glaube, der angeblich schon zu vorchristlichen Zeiten bestand. Bäuerinnen und Bauern waren in ihrer Existenz seit jeher vom Wetter abhängig. Die Zeit kurz nach der Wintersonnenwende läutet wieder längere Tage ein. So waren die Raunächte auch ein Zeitraum, um gutes Wetter und ertragreiche Ernten für das kommende Jahr zu erbitten.
Aber auch heute werden diese Tage zwischen den Jahren von vielen Menschen dazu genutzt, über das vergangene Jahr zu reflektieren und über Wünsche für das neue nachzudenken. Auch im urbanen Raum werden dafür Rituale herangezogen. "Im Fokus" geht der Frage nach, warum die alten Bräuche und Legenden der Raunächte heute noch so viel Anklang finden und sogar popkulturell interpretiert werden. - Gestaltung: Amelie Sztatecsny
