Der Geomorphologe Thomas Glade

Wann Felsen stürzen

Felsstürze in den Alpen sind natürliche Prozesse, die zur Formung der alpinen Landschaft geführt haben. Geomorphologe Thomas Glade erforscht diese Prozesse. Ihre Auswirkungen sind dramatisch, weil Siedlungen immer weiter ins Gebirge gebaut werden.

Im Mai vergangenen Jahres waren bei einem Felssturz im Kanton Uri in der Schweiz Felsen in der Größe von 20 Kubikmetern auf die Autobahn gestürzt. Das Auto deutscher Urlauber wurde von einem dieser Felsen getroffen und das Paar dabei getötet.

Felsstürze und andere Massenbewegungen in den Alpen sind natürliche Prozesse, die zur Formung der alpinen Landschaft, wie wir sie kennen, geführt haben. Ihre Auswirkungen sind heutzutage aber dramatischer, weil Straßen und Siedlungen immer weiter ins Gebirge gebaut werden.

Geomorphologe spielt Krisenfeuerwehr

Wo Felsstürze, Hangrutschungen und andere Oberflächenprozesse in Gebirgen drohen, in welchen Zeiträumen sie auftreten könnten und welchen Einfluss der Mensch auf diese Entwicklungen hat, ist der Forschungsschwerpunkt des Geomorphologen Thomas Glade.

Er wird immer wieder zu Hilfe gerufen, wenn Veränderungen an Hängen auftreten und geklärt werden soll, wie hoch das Risiko ist.

Wann bewegt sich der Berg?

Bewegungen an Hängen und Felsformationen hängen von vielen Faktoren ab - wie der Hangneigung, dem Gestein, der Form oder den klimatischen Bedingungen. Der Mensch wirkt zum Teil aber direkt oder indirekt auf diese natürlichen Prozesse ein.

"Direkte Einwirkungen etwa dadurch, dass Hänge modifiziert werden. Wenn etwa in Hanglagen gebaut wird", so Glade. Dadurch könne das natürliche Gleichgewicht eines Hanges gestört werden. "Der Mensch greift auch dadurch ein, dass er Hänge künstliche befeuchtet." Eine weitere wesentliche direkte Einwirkung seien Entwaldungen und Landnutzungsänderungen.

Einwirkung des Menschen

Eine indirekte Einwirkung des Menschen ist der Klimawandel. Wenn die Temperaturen steigen, können zum Beispiel Permafrostböden auftauen und der Fels damit sozusagen seinen Kitt verlieren. "Es gibt Bereiche, wo Permafrost nachweisbar abschmilzt."

Welche Bewegungen an einem Hang in der Vergangenheit aufgetreten sind, untersuchen Thomas Glade und sein Team mit Untergrundbohrungen, Vermessung der Oberflächen mit Lasern, Datierung von Holzfunden und der Analyse von alten Dokumenten. Dabei werden sie auch von Historikern unterstützt, die zum Beispiel alte Pfarrchroniken interpretieren können.

Klimawandel ändert Häufigkeit von Ereignissen

Schwieriger wird der Blick in die Zukunft, weil Einwirkungen des Menschen und ein verändertes Klima die Häufigkeit von Ereignissen beeinflussen können. Thomas Glade betont deshalb, dass Pläne, die Gefahrenzonen ausweisen, laufend aktualisiert werden müssten. Die Entscheidung, was aufgrund der Ergebnisse der Forschung getan werden soll, müssten die Betroffenen selbst treffen.

"Wenn sie Gebiete mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten dass sich die Hänge bewegen, haben, dann ist es wichtig, dass man darüber informiert. Wie die Betroffenen damit umgehen, ist eine zweite Sache. Es kann ja sein, dass die Betroffenen an diesem Hang wohnen bleiben wollen und das Risiko in Kauf nehmen."

Frühwarnsysteme

In so einem Fall könnten dann zum Beispiel Frühwarnsysteme installiert werden, um eine rechtzeitige Evakuierung zu ermöglichen. Der Mensch müsse aber auch wieder lernen, die Natur zu beobachten und mit ihren Gefahren zu leben, betont der Geomorphologe Thomas Glade.

Hör-Tipp
Dimensionen - Magazin, Freitag, 12. Jänner 2007, 19:05 Uhr

Link
Universität Wien - Thomas Glade

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