Das MySpace-Phänomen

MySpace-Profile sind oftmals schrill und unübersichtlich. Dennoch gehört die Plattform zu den meistbesuchten Webseiten der Welt. Die zu Rupert Murdochs News Corporation gehörende Plattform verzeichnete im September 35 Milliarden Seitenzugriffe.

MySpace.com ist Webseite der Superlativen: Die zu Rupert Murdochs News Corporation gehörende Plattform verzeichnete im September 2006 35 Milliarden Seitenzugriffe. MySpace besitzt zudem mehr als 127 Millionen Nutzer. Diese laden jeden Tag um die acht Millionen Bilder und zig tausende von Videos hoch.

Beim Besuch eines typischen MySpace-Profils fällt es jedoch schwer, zu glauben, dass dies eine der meistbesuchten Webseiten der Welt ist. Viele MySpace-Nutzer verzieren ihre persönlichen Seiten mit schrill-bunten Hintergrundgrafiken und blinkenden Comic-Figuren. Dazu binden sie Music-Player ein, die jedem Besucher ungefragt Shakira oder Justin Timberlake vorspielen.

Das sowieso schon höchst eigenwillige Layout wird dann meist noch durch überdimensionale Fotos durcheinander gebracht. Außenstehende fragen sich angesichts solcher Profile nicht selten: Wie konnte so eine hässliche Webseite so erfolgreich werden?

Wie das Zimmer eines Teenagers

Die in Südkalifornien lebende Mobilfunk-Beraterin Debi Jones glaubt, dass gerade dieses tolerierte Durcheinander einer der Grundbestandteile des MySpace-Erfolgs ist. "Wer mal einen Blick in das Zimmer eines Teenagers wirft, wird darin Chaos finden", erklärt Jones. Teenager experimentierten heutzutage online wie offline mit Identität. "MySpace berührt all diese Dinge", meint Jones. "Klar, es ist hässlich. Aber das ist okay."

Der Mut zum Experiment steht auch für den MySpace-Vizepräsidenten Travis Katz im Mittelpunkt der Plattform. "Wir sagen Leuten nicht, was coole Musik oder coole Comedy ist", erklärt Katz. "Wir schreiben ihnen nicht vor, wie ihr Profil auszusehen hat. Stattdessen bestimmen die Nutzer, was auf MySpace passiert."

Bands als Publikumsmagnet

Eine weitere wichtige Komponente für den MySpace-Erfolg sind die zahlreichen Band-Profile auf der Plattform. Die Firma bemühte sich schon früh darum, Musikern eine Präsenz auf MySpace.com zu geben. Katz dazu: "Bands besitzen ein großes Publikum. Jedes mal, wenn eine dieser Bands ihren Fans über ihre MySpace-Präsenz erzählt, melden sich neue Leute bei uns an."

Gleichzeitig ist MySpace für viele Musiker zu einer wichtigen Promotion-Plattform geworden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um den Kontakt zu Fans, weiß The-88-Keyboarder Adam Merrin zu berichten. "Mittlerweile nutzen auch viele Leute aus der Musikindustrie MySpace, um Kontakt mit uns aufzunehmen: Plattenfirmen, Clubs, die uns buchen wollen, Magazine, die uns interviewen wollen", so Merrin. " Es ist schon sehr hilfreich."

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 12. November 2006, 22:30 Uhr

Download-Tipp
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MySpace
Debi Jones
The 88

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