Einmal Unendlichkeit und zurück

Alle Andeutungen von Unendlichkeit, auf die wir stoßen, geben gute Gründe dafür ab, warum die Menschen von Dingen ohne Ende so angezogen werden, meint zumindest der Physiker John D. Barrow und hat der Unendlichkeit sein jüngstes Buch gewidmet.

Ein Universum, das endlich ist, muss einen Rand haben. Was aber passiert, wenn man einen Stein über diesen Rand wirft? Hört der dann jenseits der Grenze auf zu existieren? Überhaupt: Was ist jenseits der Grenze? Oder: Wie kann Zeit, die nicht unendlich ist, einen Anfang haben und ein Ende?

Im Großen wie im Kleinen

Der Physiker John D. Barrow hat der Unendlichkeit sein jüngstes Buch gewidmet. Nicht fehlen darf darin natürlich die Frage, die Menschen spätestens seit dem Zeitpunkt bewegt, als sie ein Blick in den wolkenlosen nächtlichen Himmel feststellen ließ, dass die Sterne darin unmöglich zu zählen wären, nämlich die Frage, hat unser Universum ein Ende?

Die moderne Kosmologie mit ihren Teleskopen, die Signale von immer weiter entfernten Lichtquellen aufzufangen imstande ist, hat darauf eine nur teilweise befriedigende Antwort, indem sie den Kosmos in das sichtbare und das gesamte Universum unterteilt.

Kaum eine Unendlichkeit - ob im ganz Großen oder im ganz Kleinen, lässt John D. Barrow in seiner Reise "Einmal Unendlichkeit und zurück." aus und zeigt dabei, was wir über das Zeitlose und Endlose wissen. Und was nicht.

Unendliche Zahlenreihen

Die Unendlichkeit beschäftigt natürlich auch seit jeher die Mathematik. Die Reihe der natürlichen Zahlen zum Beispiel, 1, 2, 3, 4 und so weiter, ist unendlich. Und unendlich ist nicht einfach nur riesig groß, Unendlichkeit galt der Mathematik sogar lange Zeit als eine Art "logische Pest", die alles in Frage stellt, mit dem sie in Berührung kommt.

So zumindest interpretiert John Barrow den erbitterten Streit um die mathematischen Erklärungsversuche des Unendlichen, bis, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Mathematiker Georg Cantor zeigte, dass es nicht nur Unendlichkeiten an sich gibt, sondern dass es außerdem auch noch eine unendlich aufsteigende Hierarchie von Unendlichkeiten verschiedener Größe gibt.

An Georg Cantors Beispiel zeigt John Barrow einmal mehr, dass das Phänomen Unendlichkeit in der Geschichte selten wirklich auf ein spezielles Fachgebiet beschränkt betrachtet blieb. Cantors Überlegungen wurden von zeitgenössischen Mathematikern vielfach angefeindet - umso mehr weckten sie das Interesse in anderen Kreisen. Der Theologe und Philosoph Konstantin Gutberlet etwa war der Ansicht, wenn es dem Menschen irgendwie gelänge, das Unendliche verstandesmäßig zu erfassen, dann könnte er sich auch der wahren Natur Gottes annähern.

Jede Menge Universen

Noch einmal zur Kosmologie: Da stellt sich nicht nur die Frage, ob unser Universum unendlich ist, sondern auch ob es überhaupt das einzige ist. Multiversen anzunehmen, ist Kosmologen keineswegs fremd. Wären das dann endlos viele endlose Welten? Und was hieße das? Unter unendlich vielen Universen müssen auch solche sein, die von fortgeschrittenen Zivilisationen bevölkert sind, die sich wiederum ihre eigenen Universen schaffen, indem sie sie virtuell simulieren.

Willkommen im Reich der Science Fiction, die John D Barrow gar nicht so unplausibel klingen lässt. Unendliche Zahlen, unendliche Zeiten, unendliche Universen - und ein kleiner Abstecher ins unendliche Leben.

Detailreicher Reiseführer

Anektdotenreich erzählt Barrow nicht nur, was Menschen von Aristoteles bis Stephen Hawking über die Unendlichkeit gedacht haben, er spielt auch trickreich und faszinierend mit verschiedensten Möglichkeiten, die sich aus diesen Annahmen ergeben.

Erfolg hatte er mit dem kaum einzugrenzenden Thema schon vor vier Jahren, als sein Theaterstück "Infinities", gespickt mit den alten logischen Problemen und Paradoxons der Unendlichkeit, in Italien mit dem Theaterpreis Premio Ubu ausgezeichnet wurde. Sein jüngstes Buch ist ein noch detailreicherer Reiseführer an die Grenzen unserer Vorstellungskraft - und ein Stück darüber hinaus.

Hör-Tipps
Kontext, jeden Freitag, 9:05 Uhr

Diagonal, Samstag, 9. September 2006, 17:05 Uhr

Download-Tipp
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Buch-Tipp
John D. Barrow, "Einmal Unendlichkeit und zurück. Was wir über das Zeitlose und Endlose wissen", Campus Verlag, ISBN 3593373300