Eine isolierte Insel - umgeben von Land
Paraguay
Am 9. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Einen Monat lang wird "König Fußball" das dominierende Thema in den Medien und der Gesellschaft sein. Bis dahin stellt Ihnen oe1.ORF.at die 32 teilnehmenden Nationen vor.
8. April 2017, 21:58
Paraguay? Schon mal gehört! Aber wo liegt es? In Südamerika, an den Ufern des südlichen Atlantik? Das ist Uruguay. Doch eher an der pazifischen Seite? Nein! Paraguay ist ein Land ohne Küste. "Eine Insel, umgeben von Land", wie der Dichter Augusto Roa Bastos seine Heimat im Hinblick auf ihre isolierte Lage charakterisiert.
Die südamerikanische Republik zählt etwa sechs Millionen Einwohner auf einer Fläche von gut 400.000 Quadratkilometern. Im Osten, Süden und Westen ist sie eingeengt von zwei mächtigen Nachbarn: Argentinien und Brasilien. Im Norden liegt die dünnbesiedelte Zone des Chaco: in der Vergangenheit zwischen Bolivien und Paraguay umstritten - heute Siedlungsgebiet deutschsprachiger Mennoniten, die das halbtrockene Gebiet in die wichtigste Produktionsstätte des Landes für Milcherzeugnisse verwandelt haben.
Paraguay: Wie ist es geworden? Aus dem Land der Indios, das die Konquistadoren zu Beginn des 16. Jahrhunderts der spanischen Herrschaft unterwarfen, hat sich ein Mestizenvolk entwickelt, in dem sich ohne ethnische Probleme einheimische und europäische Elemente miteinander vermischten. Erhalten hat sich das indianische Guarani, neben dem Spanischen nicht nur die zweite amtliche Sprache, sondern auch heute noch Umgangs- und Verkehrssprache auf dem Land.
Der südamerikanische Staat ist nicht nur von seiner indianischen Vergangenheit, sondern auch von seinem katholischen Erbe geprägt, wie die Ruinen der Jesuitenreduktionen des 17. und 18. Jahrhunderts im Süden des Landes beweisen. Geprägt wurde das Land in gleicher Weise durch die Erfahrungen der Kriege, die es um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Nachbarn führte. Paraguay wurde zum "Land der Frauen", das sich bemühte, durch eine forcierte Einwanderung die gelichteten Reihen der Bevölkerung wieder zu schließen.
Paraguay: Wo steht es heute? Nach einer langen Zeit der Anarchie und 35 Jahren autoritärer Herrschaft hat sich das Land seit 1989 der Demokratie geöffnet. Noch ist die Korruption - die innere Krankheit - nicht ausgerottet, noch ist der Rechtsstaat nicht voll verankert. Aber die politische Entwicklung steht jetzt im Zeichen des Wandels. Im Mercosur - dem "gemeinsamen Markt des Südens" - engagiert sich Paraguay vehement. Gemeinsam mit Brasilien ist man Teilhaber des (noch) größten Wasserkraftwerks der Welt in Itaipu und kann seine überschüssige Energie exportieren. Zudem werden neue Märkte für die traditionellen Produkte gesucht und erschlossen: Soja, Baumwolle, Rindfleisch und Holz.
Für Deutschland ist Paraguays Exportliste um die keineswegs unwichtige Position "Fußballspieler" zu ergänzen. So hat sich Roque Santa Cruz beim FC Bayern ebenso einen Namen gemacht wie Nelson Valdez bei Werder Bremen. Unvergessen bleibt natürlich José Luis Chilavert - Paraguays exzentrische Torwart-Legende der 1990er Jahre. Von Chilavert hörte man jüngst, er wolle nun wahlweise Präsident seines Landes oder dessen Fußball-Nationaltrainer werden. Man wunderte sich nicht.
Dieser Text entstammt einer Kooperation mit "Anstoss", der Zeitschrift des Kunst- und Kulturprogramms zur FIFA WM 2006; ein Projekt von André Heller.
Tipp
Die insgesamt sechs Hefte kosten jeweils EUR 9,90 und sind gegen Ersatz der Versandkosten unter anderem über die Agentur Artevent zu beziehen. E-Mail
Hör-Tipp
Sendungen mit Fußball-Bezug finden Sie, wenn Sie in der Programmsuche das Stichwort "Fußball" eingeben. Eine Liste der Sendungen der nächsten 30 Tage erhalten Sie in Ö1 Programm.
Links
Deutschland 2006
FIFA Worldcup
artevent.at
