Live im Ö1 Klassik-Treffpunkt
Maestro Gustav Kuhn Gast
Seine Biografie spiegelt den Ideenreichtum dieses Multitalents wider: Gustav Kuhn, renommierter Dirigent, Begründer und erfolgreicher Leiter der seit 1998 bestehenden Tiroler Festspiele Erl, Komponist und Autor. Er ist diesmal Gast im Klassik-Treffpunkt.
8. April 2017, 21:58
Er ist gebürtiger Salzburger, ein Multitalent, in vielen Disziplinen ausgebildet und tätig: Gustav Kuhn. So spiegelt auch seine Biografie den Ideenreichtum wider, der aus dieser Vielfalt resultiert. Er dirigierte bei den Salzburger Festspielen und in der Wiener Staatsoper, führt aber auch Regie bei den von ihm 1997 gegründeten Festspielen von Erl in Tirol.
Er ist Chefdirigent in Bozen, Macerata und in Mailand, künstlerischer Leiter des Gesangswettbewerbes "Neue Stimmen", unterrichtet, komponiert und schreibt Bücher. Diesmal ist Gustav Kuhn live zu Gast bei Haide Tenner im ORF-KulturCafe des RadioKulturhauses.
Erl 2006: "Tristan" und "Parsifal
Und auch im kommenden Jahr bleiben die erfolgreichen Tiroler Festspiele Erl, die vom 7. bis 29. Juli dauern, Richard Wagner treu: So wird es mit "Tristan und Isolde" und "Parsifal" zwei neue Opern-Inszenierungen geben.
Außerdem präsentiert sich der Festival-Gründer als Dirigent großer symphonischer Musik. Vor allem der bedeutende Symphoniker und glühende Wagner-Verehrer Anton Bruckner ist mit drei Werken gewichtig im Programm vertreten. Aber auch Ludwig van Beethovens Symphonien sind wieder zu hören. Eröffnen wird Kuhn sein Festival mit Bruckners Neunter Symphonie, gespielt vom Orchester der Tiroler Festspiele.
Dirigent von Chereaus "Cosi"
Und im September dieses Jahres leitete Kuhn Patrice Chereaus Mozart-Inszenierung von "Cosi fan tutte", mit der die Pariser Oper ihre Saison eröffnet.
Die Koproduktion mit dem Festival von Aix-en-Provence und den Wiener Festwochen soll 2006 einen Höhepunkt des Wiener Mozartjahres bilden. Mit dieser Produktion trat Chereau erstmals seit elf Jahren wieder als Opern-Regisseur in Erscheinung.
Karriere-Start in Istanbul
Gustav Kuhn, 1947 in Salzburg geboren, studierte am Mozarteum und in Wien. Seine Karriere begann er in Istanbul und am Opernzentrum in Enschede. Später war Kuhn in Dortmund sowie in Bern und Bonn als Generalmusikdirektor tätig.
Kuhn gastierte u. a. an der Wiener Staatsoper, der Münchner Oper und bei den Festspielen in Glyndebourne, ehe er das Zentrum seiner Tätigkeit nach Italien verlegte. Er dirigierte in Rom, in Bologna und Florenz.
Salzburger Festspiele
Seit 1978 wirkte Kuhn auch bei den Salzburger Festspielen: Er dirigierte 198O Mozarts "Figaro" und durfte 1989 auch Verdis "Maskenball", Karajans letztes, von anderen verwaltetes Opernprojekt, leiten.
Und 1992 trat Kuhn als Retter in der Besetzungsnot auf: Als Riccardo Muti in letzter Minute seine unüberwindliche Abneigung gegen Karl-Ernst Herrmanns "Titus"-Inszenierung entdeckte und vor der Premiere den Taktstock hinwarf, leitete Kuhn eine erfolgreiche Aufführungsserie am Pult der Wiener Philharmoniker.
Erstes Festival Erl 1998
Am 11. Juli 1998 eröffnete Gustav Kuhn die ersten Tiroler Festspiele Erl mit dem "Ave Maria" von Brahms und Bruckners 9. Symphonie mit dem Inntalchor, der Chorvereinigung Erl und dem Orchestra del Teatro di San Carlo aus Neapel, das als Festspielorchester auch am folgenden Abend Verdis Requiem spielte. Auf dem Programm standen weiters mehrere Uraufführungen.
Höhepunkt mit "Rheingold"
Den Höhepunkt bildeten die Aufführungen von Richard Wagners "Rheingold", inszeniert und dirigiert von Festspiel-Chef Gustav Kuhn. Unter den Gesangsolisten fanden sich prominente Namen neben ausgewählten jungen Nachwuchssängern der Accademia di Montegridolfo, einer Gründung Kuhns, die ihn durch Gratisauftritte unterstützen.
Kuhn selbst und seine engsten Mitarbeiter verzichten ebenfalls für drei Jahre auf ein Honorar, um das vom Land Tirol und privaten Sponsoren geförderte Festival in der Startphase finanziell zu entlasten. Das Motto der Veranstaltung lautete übrigens "Aus Liebe zur Musik".
