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Doublecheck | 09 04 2026
Das große Aufräumen im ORF
Mit dem Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor ist der ORF ins Sperrfeuer geraten. Als gewichtiges Beispiel dafür, wie Machtmissbrauch gegenüber Frauen trotz entsprechender Anlaufstellen im Haus durchschlagen kann. Aber auch die Spitze des Stiftungsrats ist unter Druck gekommen, Unvereinbarkeiten von Mitgliedern werden offen thematisiert. Und nicht zuletzt ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr denn je zur Projektionsfläche geworden für Befindlichkeiten einer Medienbranche, die auf der Suche nach ihrer Zukunftsfähigkeit ist.
9. April 2026, 18:55
Vor diesem Hintergrund hat die neue ORF-Führung unter Ingrid Thurnher schonungslose Aufklärung und klare Konsequenzen versprochen. Das Unternehmen trennt sich von Roland Weißmann, nimmt den Vorwurf der sexuellen Belästigung - der öffentlich erhoben und von Weißmann bestritten worden ist - aber zurück, was für Irritationen sorgt. Der von Thurnher eingerichtete Transparenzbeirat wird in den nächsten Tagen seine Arbeit aufnehmen und die Strukturen im ORF von außen durchleuchten. Das alles vor dem Hintergrund einer Neubestellung der ORF-Führung für die nächsten fünf Jahre, die dank der Vorgaben des EU-Medienfreiheitsgesetzes nach objektiveren Ausschreibungsregeln ablaufen wird. Die Frage ist, ob sich die Regierungsparteien - angeblich gibt es Absprachen zwischen ÖVP und SPÖ, die halbherzig dementiert werden - heraushalten.
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Kampfansage gegen Machtmissbrauch
Die Causa Weißmann lässt auch die Frage aufkommen: Wie geht es Frauen im ORF? Beschwerden über Belästigungen nehmen zu, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte. Das Bewusstsein in dem Bereich habe zugenommen. "Frauen wehren sich und das ist gut so", sagt Katia Rössner. Für sie hat der ORF als öffentlich-rechtliches Unternehmen eine besondere Verantwortung, gegen Machtmissbrauch und Belästigungen vorzugehen. Künftig soll es neben den bestehenden internen Strukturen auch eine externe Meldestelle für Betroffene geben. Mit prekären Arbeitsverhältnissen und vielen großen männlichen Egos in den Chefetagen ist die Medienbranche jedenfalls besonders anfällig für Grenzüberschreitungen.
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