Tenor-Karriere mit tödlichem Ende

Eine tragische Geschichte, die das Leben schrieb: Knapp vor Antritt eines Gastspiels wurde der rumänische Tenor Trajan Grosavescu 1927 im Alter von 32 Jahren von seiner Frau erschossen. Der einstige "Prinz der Wiener Staatsoper" wäre kürzlich 110 geworden.

"Das Jahr 1927, in welchem Schalk den 'Fidelio' herausbrachte, wurde an seinem Beginn durch ein grausiges Ereignis überschattet: der rumänische Tenor Trajan Grosavescu, ein junger vielversprechender Sänger (etwas beleibt, mit einer schönen Naturstimme, aber als Darsteller nur sehr konventionell), wurde am 15. Februar in seiner Wohnung in der Lerchenfelder Straße von seiner Gattin Nelly erschossen. Am Abend vorher war er zum letzten Mal aufgetreten, in 'Rigoletto', was die Presse natürlich entsprechend sentimental ausschrotete ('Ach, wie so trügerisch sind Weiberherzen'). Nun sollte er nach Berlin reisen, wo er ein Rendezvous hatte. Seine Frau erklärte plötzlich, sie wolle, entgegen der früheren Abmachung, nun doch mitfahren, es kam zum Streit, der für den Sänger tödlich endete", beschreibt Marcel Prawy in seinem Buch "Die Wiener Oper" dieses tragische Ende einer aufblühenden Sänger-Karriere mit nur 32 Jahren.

Der Frau des erschossenen Tenors, die knapp davor eine Fehlgeburt hatte und sich daher in einem Zustand hochgradiger Nervosität befand, wurde übrigens vom Gericht Sinnesverwirrung zugestanden und die Geschworenen sprachen sie frei. Trajan Grosavescu, 1923 zunächst an die Wiener Volksoper engagiert, wechselte ein Jahr später an die Staatsoper. Er war vorwiegend im italienischen und französischen Fach eingesetzt, sang aber auch den Assad in Carl Goldmarks "Königin von Saba".

"Odeon"-Aufnahmen

An der Staatsoper debütierte Grosevescu als Rudolf in Puccinis "La Boheme". Er wurde zunächst im lyrischen Fach eingesetzt und war Partner so prominenter Sängerinnen wie Selma Kurz oder Lotte Lehmann. Später war er auch in dramatischen Rollen im Haus am Ring zu hören.

Drei Jahre vor seinem Tod hatte Grosavescu für das Label "Odeon" eine ganze Reihe von Platten aufgenommen, darunter auch das Arioso des Pinkerton aus Puccinis "Madame Butterfly", seiner Debüt-Rolle.

Trajan Grosavescu (1895-1927)

Der Tenor wurde am 21. November 1895 in Lugoj in Rumänien geboren. Er studierte in Bukarest und Cluj (Klausenburg) Gesang und debütierte 1921 in Klasuenburg.

Im Jahr 1922 feierte er einen großen Erfolg an der Nationaloper in Budapest und erhielt eine weitere Ausbildung bei Franz Steiner in Wien. Gastspiele führten ihn u. a. Prag, nach Budapest und wiederholt nach Berlin, wo er 1926 einen Gastspielvertrag erhielt.

Gedenktafel in Wien-Lerchenfeld

Und erst in diesem Monat wurde am Haus in der Wiener Lechenfelderstraße 62-64 vom rumänischen Verein Unirea eine Gedenktafel für Trajan Grosavescu, den einstigen "Prinzen der Wiener Oper", wie es heißt, enthüllt.

Links
LAAR - Enthüllung der Gedenktafel für Trajan Grosavescu
Wiener Staatsoper