Chris Müller, Bildhauer

Tischlerei hat er gelernt, seine Berufung ist die Kunst: Chris Müller, der sein Bildhauerei-Studium an der Kunst-Uni Linz mit dem Magister beendet hat und nun an seiner Doktorarbeit schreibt. Am 24. Juli 2010 präsentiert er mit dem "Theater Hausruck" die Produktion "€AT" in Attnang-Puchheim.

"Ich komme aus einer Arbeiterdynastie, studieren war zu Hause kein Thema. Nach meiner Ausbildung als Tischler und Treppenbauer ging ich 1993 nach Berlin, weil ich etwas anderes machen wollte. Und dort ergaben sich viele Kontakte mit Künstlern. In der Folge wurde mir klar, dass ich ein Kunststudium machen will.

Als ich wieder nach Österreich zurück kam, probierte ich es an der Linzer Kunst-Uni - und wurde aufgenommen", erzählt Chris Müller, gebürtiger Gmundner, Jahrgang 1973, der seit 2000 an der Kunstuniversität Linz Bildhauerei bei Renate Herter, sowie Bildende Kunst und Kulturwissenschaften bei Robert Pfaller studierte, im Jänner 2008 mit dem Magister abgeschlossen hat und sich nun seiner Doktorarbeit widmet.

Warum sich der vielseitige Künstler gerade für dieses Fach entschieden hat? "Der Bereich Bildhauerei wird hier sehr breit verstanden. Mit Skulptur im klassischen Sinn, die man natürlich auch machen kann, hat es eher wenig zu tun. Es geht mehr um das Räumliche - vom öffentlichen Raum, über Installation bis zum Video. Mein Favorit ist die konzeptionelle Recherche, bei der ich immer eine facettenreiche Geschichte erzähle."

Studien-Abschluss mit "Saurüssel"-Film

Ende Jänner 2008 präsentierte Chris Müller als Magister-Arbeit seinen Film "Saurüssel - Labyrinth der Erinnerung" öffentlich im Linzer Theater Phönix.

Ursprünglich wollte er mit seiner Arbeit Franzobels Recherchen zum Stück "Z!PF oder Die dunkle Seite des Mondes", das im Juli 2007 vom "Theater Hausruck" uraufgeführt wurde, dokumentieren. "Es ist eine Dokumentation der Jahre 1943 bis 2008, eine Darstellung der dunklen Geschichte Zipfs", so Müller.

Studium im zweiten Bildungsweg

In Berlin, wohin er durch eine Freundin kam, reichte damals die Palette seiner Tätigkeiten vom Asbest-Entsorger, über Gitarrist bis zum Krimi-Kleindarsteller.

"Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich studieren konnte. Daher setze ich mich auch Kultur- und bildungspolitisch ein", so Müller, der ÖH-Vorsitzender war und seit März 2008 nun Vorsitzender des Alumni-Vereins der Kunst-Uni Linz ist.

Kein elitärer Kunst-Anspruch

"Ich habe kein elitäres Kunst-Verständnis, sondern sehe mich eher als Arbeiter, denn als Künstler. Der Begriff Cultural Worker trifft meine Intentionen am Besten", so Müller.

Seine Werke waren bereits unter anderem im Rahmen der "Best of"-Ausstellungen der Kunst-Uni, im Linzer O.K Centrum, in San Augustin auf Gran Canaria, in der Neuen Galerie der Stadt Linz sowie im Lentos Kunstmuseum zu sehen.

"€AT"-Premiere am 24. Juli in Attnang

Heuer präsentiert Chris Müller mit dem "Theater Hausruck" die Produktion "€AT" am 24. Juli 2010 - es findet diesmal nur eine Vorstellung statt - in der ehemaligen Polstermöbelfabrik HASAG in Attnang-Puchheim.

In "€AT - Ein Kapitalismus-Kirtag und -Kehraus in bunten Bildern, geht es von der ökonomischen Krise in die nahe Zukunft einer Gesellschaft, die durch eine immer weiter auseinander klaffende Einkommensschere auseinander zu brechen droht. Dabei werden die Ströme des Kapitals, sowie die Bedingungen und Auswirkungen der herrschenden Wirtschaftsordnung sondiert.

Theater-Hausruck-Produktion "A Hetz"

Mit "A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit" präsentierte das Theater Hausruck 2009 unter der künstlerischen Leitung von Georg Schmiedleitner und Chris Müller einen Mix aus klassischen Theaterszenen (u. a. von Franzobel), Tanz und Performance, Video-Dokumentationen, wissenschaftlichen Statements und zahlreichen Überraschungen.

Die Produktion war bis 16. August zu sehen.

Lehrgang zum Stück an der Kunst-Uni Linz
Müller leitete den neu eingerichteten zweisemestrigen Lehrgang "TheaterRaum Hausruck" an der Kunstuniversität Linz:

Bei diesem interdisziplinären Projekt ging es um die theoretische und praktische Umsetzung des Franzobel-Stückes "A Hetz" für das Theater Hausruck.

Film zu "Volkshilfe Vöcklabruck"-Jubiläum ...

Am 30. Oktober 2008 feierte die "Volkshilfe Vöcklabruck" im Rahmen einer Gala im Kulturzentrum Lenzing ihr 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass gestaltete Chris Müller die filmische Dokumentation "Die Volkshilfe, mei Lieba, mein Leben".

Die erfolgreiche Arbeit der "Volkshilfe" beruht auf dem Engagement der 90 haupt- und 440 ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen in den unterschiedlichen Gesundheits- und Sozialdiensten. Müllers Dokumentation zeigt die Entstehungsgeschichte, die vielfältigen Ansätze sowie die Probleme der Sozialinitiative.

Als Moderator der Gala fungierte der bekannte ORF-Journalist Günter Kaindlsdorfer.

... und Franzobels "Kreisky"

Und Franzobels Monolog für einen Schauspieler "Kreisky – Ein Stück zur Volkshilfe", der nun als Buch vorliegt, ergänzte die ganzheitliche Betrachtung der "Volkshilfe"-Initiative.

Zum 60-Jahre-Jubiläum der Volkshilfe Oberösterreich hatte Müller, der dafür auch das Bühnenbild schuf, die Uraufführung dieses Franzobel-Stücks, das im November 2007 in der "Alten Fabrik" in Steyrermühl Premiere hatte, inszeniert.

Erfolg für Wiederaufnahme von Franzobels "Zipf"

Dem "Theater Hausruck" ist Chris Müller von Beginn an tatkräftig verbunden - und inzwischen vom Produktionsleiter zum Intendanten des erfolgreichen Festivals aufgestiegen.

Und auch mit der diesjährigen Wideraufnahme des Franzobel-Erfolgsstücks "Zipf" in der Regie von Georg Schmiedleitner, das vom gleichnamigen oberösterreichischen KZ-Nebenlager handelt, verzeichnete das "Theater Hausruck" wieder einen großen Erfolg.

Mehr zur "Z!PF"-Wiederaufnahme in oe1.ORF.at

Und knapp vor dem vorjährigen Festival-Beginn wurde Günter Kaindlstorfers Franzobel-Porträt "Der König von Absurdistan", das ORF-TV im Juli 2007 sendete, in Wolfsegg gezeigt.

Semmelrogge-Lesung in Linz

Und am 23. Juli 2008 hat "Z!PF"-Star Martin Semmelrogge im Audimax der Kunst-Universität Linz aus seiner Biografie "Das Leben ist eine Achterbahn" gelesen. Chris Müller moderierte den Abend.

"Theater Hausruck" in Luxemburg

"Theater Hausruck" goes international: im Mai 2008 präsentierten Intendant Chris Müller, "Z!PF"-Autor Franzobel und Dramaturgin Barbara Falter am Kongress des Internationalen Mauthausen Komitees in Neumünster in Luxemburg das Gesamtprojekt des erfolgreichen Festivals.

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"Interkulturpreis 2008" für "A Hetz"

Im vierten Jahr seines Bestehens hat das "Theater Hausruck" nun bereits den siebenten Preis gewonnen: und zwar den "Interkulturpreis 2008" für das Konzept des Doku-fiktiven Stationen-Dramas "A Hetz", das im Rahmen der Kulturhauptstadt Linz 09 im Hausruck aufgeführt wurde.

Das Stück wurde von Georg Schmiedleitner und Chris Müller in Kooperation mit der Kunstuniversität Linz inszeniert.

Ziel des "Interkulturpreises" ist die Förderung von Arbeiten, Projekten und Konzeptionen, die Integration, Menschenrechte und soziale Sicherheit in den Vordergrund stellen und damit einen wichtigen Beitrag zur Diskussion und zur öffentlichen Wahrnehmung leisten.

Müllers "Tricolore der Zeitgeschichte"

Und dass das "Theater Hausruck" nun internationale Verbindungen hat, ist der Initiative Müllers zu verdanken: durch Kontakte nach Frankreich und Deutschland arbeitet er derzeit an einer "Tricolore der Zeitgeschichte".

So sind Kooperationen mit dem Österreichischen Kulturforum in Paris geplant. Und in der deutschen Gedenkstätte KZ Dora, wohin die Produktion der V2-Rakete nach britischen Luftangriffen verlagert wurde, soll eine große Schau stattfinden.

Erfolgreicher Start mit "Hunt"

Es ist natürlich kein Zufall, dass Müller dem bereits vielfach preisgekrönten "Theater Hausruck", das 2005 mit "Hunt" startete, verbunden ist: seine Familie stammt aus dieser Region und hat direkten Bezug zu den Februarkämpfen 1934.

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"Weißes Ballett" im Museum Arbeitswelt

Müllers Projekt "Außenfeld. Weißes Ballett mit braunen Flecken", 2006 anlässlich der Fußball-WM in Deutschland entstanden und im Vorjahr in der Wiener "Zukunfts- & Kulturwerkstätte" gezeigt, war bis Mai 2008 im Museum Arbeitswelt Steyr zu sehen.

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"Die Ö1 Talentebörse, die eine wichtige Plattform für junge Künstler ist, ist enorm hilfreich: durch mein Ö1 Porträt wurde ich vom Museum Arbeitswelt entdeckt und eingeladen, meine Installation nun in Steyr zu zeigen", erzählt Müller begeistert.

Nun Auftrag für "Demos" in Steyr

Und nun erhielt Müller den Auftrag, die neu geschaffene Demokratiewerkstatt "Demos" im Museum Arbeitswelt Steyr konzeptionell und visuell einzurichten und mit den gegebenen Strukturen zu verbinden.

Ziel dieses Projekts ist es, innovative Antworten auf aktuelle Herausforderungen an die demokratiepolitische Bildung von Jugendlichen in Österreich zu entwickeln und anzubieten.

Mauthausen-Schau "329 km Erinnerung"

Anfang 2007 zeigte Chris Müller die von ihm und seinen Künstlerkollegen Alexander Joechl und Hermann Lohninger gestaltete Ausstellung "329 km Erinnerung/Absenz" im Besucherzentrum Mauthausen.

Die Idee: eine Menschenkette von 200.000 Personen - die Anzahl der im KZ Mauthausen Inhaftierten - ergäbe eine Länge von über 300 Kilometern. Exakt diese Länge beträgt die Entfernung zwischen einstigem KZ und Nürnberger Reichsparteitagsgelände. In dieser Arbeit hielten die Künstler fotografisch die Formen des Gedenkens auf dieser Strecke fest.

"viel well - viel red" bei Museen-Nacht 2006

Müllers performative Installation "viel well - viel red" (2005) wurde zuletzt bei der Kunst-Uni-Schau "bestoff06", die im Rahmen der Linzer Langen Nacht der Museen stattfand, im Oktober 2006 gezeigt. Zur Vorgeschichte: Ein Foto, das den jungen Künstler als Punk zeigt, wurde ohne sein Wissen in eine Zigarettenwerbung integriert - Müllers künstlerische Antwort folgte.

Zukunftswunsch: Cultural Worker

Seit 2006 ist der vielseitige Künstler auch Marketingchef des Kulturmagazins "XING" - ein "Herzenswunsch", wie Müller begeistert erzählt. Und welche Zukunftspläne hat der vielseitige Künstler?

"Ich bin als Intendant nun voll beim 'Theater Hausruck' involviert und engagiere mich als Freier Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Kulturpolitik. Mein Wunsch ist es, als freischaffender Künstler, aber auch als Kulturpolitiker tätig zu sein und an der Uni zu lehren - im Sinne eines Cultural Worker", antwortet Chris Müller prompt.

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria.

Kontakt
Chris Müller

Hör-Tipp
Im Gespräch, Michael Kerbler im Gespräch mit Franzobel, Schriftsteller, Donnerstag, 30. Juli 2009, 21:01 Uhr

Links
Kunstuniversität Linz
Kunstuniversität Linz - Freunde und AbsolventInnen der Kunstuni Linz
Südtirol.com - Geschichtliches: Hochpustertal
Vöcklabruck - Lebzelterhaus
YouTube - "Feel Well Feel Red"
YouTube - "hunt oder Der totale Februar"
YouTube - "Kreisky - Ein Stück zur Volkshilfe"
YouTube - "Paternkofel"
A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit
Bibliothek der Provinz
Comité International de Mauthausen
Gesellschaft für Kulturpolitik
Imagefactory
Institut für visionäre Kultur
KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Lentos Kunstmuseum Linz
KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Martin Semmelrogge
O.K Centrum für Gegenwartskunst
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Theater Phönix Linz.
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