Ambiente - von der Kunst des Reisens

Auf zwei Rädern durch Deutschland

Auf dem Spree-Radweg von Bautzen nach Berlin

Flussradwege sind populär in Deutschland - und wer Rhein, Mosel, Elbe oder Donau entlang radelt, ist auch oft im Pulk unterwegs. Was für Entdeckernaturen ist hingegen die Radroute an der Spree, die im Lausitzer Bergland an der Grenze zu Tschechien entspringt und nach knapp 400 Kilometern in der Hauptstadt Berlin in die Havel mündet.

Guter Startpunkt ist die 40.000 Einwohner-Stadt Bautzen. Ein Gebäudebestand aus alter Zeit, nach der Wende von 1989 mustergültig renoviert, kündet von Bautzens einstiger Bedeutung als Handelszentrum. Der Reichenturm positioniert sich als der "schiefste begehbare Turm nördlich der Alpen" und wird verwaltet von einer Türmerin. Imposant auch der St. Petri-Dom, der als "Simultankirche" über einen protestantischen und einen katholischen Teil verfügt. Bestens ausgeschildert führt der Spree-Radweg durch dünn besiedelte Regionen Sachsens nach Norden. Felder, Wiesen, Wälder prägen das Bild, immer wieder aufgelockert durch prachtvolle Alleen.

Für Abkühlung sorgen die Gewässer des "Lausitzer Seenlandes" - die sind wie der 13 km² große Bärwalder See allerdings neueren Datums. Zur DDR-Zeit war die Region Lausitz mit Braunkohletagebauten übersät. Vielerorts sind die gigantischen Restlöcher - auch mit Spree-Wasser - geflutet und renaturiert worden. Europas größte künstliche Wasserlandschaft ist hier im Entstehen - sie bietet auch wertvollen Lebensraum für Wasservögel. Die Braunkohle-Nutzung ist noch nicht ganz Geschichte, wie die Mega-Kraftwerke Boxberg und Jänschwalde verraten. Ihre riesigen Kühltürme bieten Orientierung im Mittelteil der Strecke und sorgen für harte Kontraste in der grünen Landschaft.

Oft aufgestaut oder aufgesplittet in mehrere Arme zeigt sich die Spree. Noch mal Tempo weg nimmt sie im Spreewald im Bundesland Brandenburg. Das labyrinthische Wassernetz des Spreewaldes lässt sich gut mit Flachkähnen oder Kajaks erkunden. In Lübbenau erinnert ein stimmungsvolles Freilandmuseum an die Besiedelung durch die slawischen Sorben. Bekannt ist der Spreewald auch für seine geschmackvollen Gurken. An der "Gurkenmeile" kann man die Kreationen, natürlich allesamt nach Familien-Geheimrezepten entstanden, verkosten.

Gestaltung: Stefan Spath

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