We Feed The World

Profitmaximierung, ein hohes Ausmaß an Entfremdung von der Natur, sowie die Verschwendung von Ressourcen beherrschen industrialisierte Nahrungsmittelkreisläufe. Erschreckende Zusammenhänge stellt dieser österreichische Dokumentarfilm her.

"Leute lassen sich blenden!"

Jeden Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt wie die Stadt Graz verbraucht. Streusplit kostet heute mehr als der Weizen, den einheimische Bauern produzieren. Das Hühnerfleisch auf den Tellern europäischer Konsumenten wird mit der Rodung lateinamerikanischer Regenwälder, an deren Stelle Soja als Futtermittel angebaut wird, bezahlt. Mais wird vielfach nur mehr als Brennstoff angebaut.

Schon nach einigen Minuten des österreichische Dokumentarfilms "We feed the World" beschleicht den Kinozuseher ein beklemmendes Gefühl: In der heutigen Nahrungsmittelproduktion sind so manche Dinge gewaltig aus dem Lot geraten.

Verantwortung des Konsumenten

Mit aufrüttelnden Fakten und globalen Verbindungen versucht der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer, ein Bewusstsein für Zusammenhänge im weltweiten Kreislauf von Herstellung und Verbrauch von Nahrung zu schaffen. Allein mit dem Filmtitel verweist Wagenhofer auf die kollektive und in der Folge individuelle Rolle des Endverbrauchers: "Wir alle sind Teil des Systems und müssen daher lernen die Verantwortung für die Dinge, die auf dieser Welt passieren, zu übernehmen. Das ist eine etwas negative Aussage des Films, die positive ist allerdings, dass wir es auch können."

Quantität statt Qualität

Anhand von verschiedenen Beispielen zeigt der Film die fragwürdigen Herstellungsbedingungen von Nahrung, etwa auf einer österreichischen Hühnerfarm, beim Fischfang in Frankreich, beim Gemüseanbau auf riesigen Plantagen in Südspanien. Quantität statt Qualität schafft auch eine Überproduktion, die nicht zuletzt weltweit soziale Probleme verschärft.

Der Schweizer Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, gibt dafür im Film ein Beispiel aus dem afrikanischen Dakar: "Gemüse und Früchte aus Europa sind auf dem dortigen Großmarkt zu einem Drittel des hiesigen Preises zu kaufen, d. h. der senegalesische Bauer hat selbst bei größter Anstrengung aus eigener kraft heraus überhaupt keine Chance mehr."

Forderungen an die Politik

"We Feed The World" richtet sich aber nicht nur an das Bewusstsein der Konsumenten, sondern auch an die Politik. Gefordert sind Rückschritte in der Gestaltung grundlegender Rahmenbedingungen - Rückschritte, die den eigentlichen Fortschritt bedeuten würden.

We Feed The World
Dokumentation, Österreich, 2005
Regie: Erwin Wagenhofer