Konservierte Klänge

Jedes Musikarchiv kämpft damit, den vergänglichen Klang für die Ewigkeit zu konservieren. Denn alle gebräuchliche Speichermedien haben ein Ablaufdatum. Um dem Verfall Einhalt zu gebieten, werden alte Aufnahmen auf digitale Datenträger überspielt.

Alte Grammophonplatten, Schallplatten oder für jüngere Generationen Kassetten und CDs - jeder kennt das Problem: Tonträger ändern sich im Laufe der Zeit, und wer nicht das passende Gerät zu Hause hat, kann seine Lieblingsstücke nicht mehr abspielen. Zudem sind die verschiedenen Formate in unterschiedlicher Weise für die Langzeitarchivierung geeignet.

Unterschiedliche Lebensdauer

Schellackplatten halten ewig, solange man sie nicht fallen lässt und sie zerbrechen. Mit Schallplatten sieht das schon anders aus: Spurrillenkratzer trüben das Musikvergnügen. Und was die CD anbelangt, haben Alterungsexperimente ganz unterschiedliche Ergebnisse gebracht: Manche Experten schätzen die Lebensdauer einer CD auf 20 bis 30 Jahre, andere wiederum gehen von einer viel längeren Haltbarkeit aus. Vorausgesetzt natürlich, die CD wird unter idealen Bedingungen, also bei richtiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit, gelagert.

Frage nach dem Medium

Wer Musik für die Ewigkeit bewahren will, wird also vor die Frage gestellt: Welches Medium wähle ich, um Langzeitarchivierung zu garantieren? Musikarchive gehen in zunehmendem Maße dazu über, ihre Bestände zu digitalisieren.

In der Mediathek in Wien, wo das audiovisuelle Erbe Österreichs aufbewahrt wird, lagern eine Million Tonaufnahmen - davon sind 10.000 bis 15.000 digitalisiert. Die Aufnahmen reproduzieren sich immer wieder automatisch: Im Keller des Hauses steht ein großer Massenspeicher - ein Kulturroboter, der die Bestände in regelmäßigen Abständen kopiert.

Prozess der Digitalisierung

Unmengen an Tonmaterial wird, Platte für Platte, Tonband für Tonband digitalisiert. Bei diesem so genannten "Re-recording" wird auf eine quellenkritisch fachgerechte Übertragung geachtet. Alles in allem ist diese Übertragung von einem Medium ins andere eine aufwändige Prozedur, bei der dem Archivar eine wichtige Rolle zukommt. Er muss zunächst das am meisten gefährdete Material sichten und möglichst rauschfrei übertragen. Bei weniger gefährdeten Musikstücken gilt es auszuwählen, was für die Nachwelt erhalten bleiben soll.

Neue Form der Archivierung

Für die Digitalisierung gilt außerdem ein Schlagwort, das in Amerika geprägt wurde: "LOCKS - Lots of copies keep stuff safe". Das heißt ein Datenträger muss in mehreren Kopien abgespeichert werden. Um Langzeitarchivierung zu garantieren, lagern Archive ihre Kopien an mehreren Orten, um bei etwaigen Katastrophen immer noch ein Exemplar zur Verfügung zu haben. Diese digitale Archivierung wird laut Experten auch im Privatgebrauch eine immer stärker werdende Bedeutung haben.