Das Vermächtnis von Hiroshima

60 Jahre atomare Bedrohung

Zwei Atombomben wurden im August 1945 über Zentren von Großstädten zur Explosion gebracht, 70.000 haben die Großmächte seither erzeugt aber nicht eingesetzt. Wird auch bei jenen Ländern, die dabei sind Nuklearwaffen zu erwerben, die Vernunft siegen?

Was haben Nordkorea, der Iran, der Irak, Pakistan, Indien, Libyen und Israel gemeinsam? Sie alle haben in den vergangenen Jahren Schlagzeilen wegen ihrer Atompolitik gemacht. Auch sechzig Jahre nach dem ersten Abwurf einer Atombombe ist das Thema heiß geblieben. Und zum Glück, muss man sagen, ist dieser Hitze in diesen sechzig Jahren nach Hiroshima und Nagasaki kein Mensch mehr zum Opfer gefallen.

So gesehen sieht die Bilanz auch gar nicht so schlecht aus. Vor allem, wenn man bedenkt, das es einmal 2 zu 70.000 gestanden ist - zwei Atombomben, die über Zentren von Großstädten zur Explosion gebracht worden waren, und 70.000, die die Großmächte unter sich aufgeteilt aber nie eingesetzt haben.

Es war das Jahr 1964, also am Höhepunkt des kalten Krieges, als das Thema Atomkrieg in den USA sogar in den Wahlkampf hineingezogen wird. "Erfahrung" muss ein Kandidat haben, argumentiert der damalige Präsident Lyndon Johnson, damit es nicht zur Katastrophe kommt - und um zu illustrieren, was Atombomben in den Händen des Gegners bedeuten würden, wird ein kleines Mädchen gezeigt, das die Blütenblätter eines Gänseblümchens ausreißt, und abzählt - bis dann das gleiche mit einer nuklearen Explosion geschieht ...

Nun, dazu ist es nicht gekommen, auch wenn der Finger öfter gefährlich nahe am Abzug hantiert hat. Vorher und danach. In der Koreakrise haben die USA den Einsatz einer Atombombe genauso diskutiert wie damals, als die Sowjetunion auf Kuba - also knapp vor der amerikanischen Küste - Raketen-Abschussrampen installiert haben. Aber immer hat die Vernunft gesiegt. Das ist nicht zuletzt auch dem Nicht-Weiterverbreitungsvertrag von Atomwaffen zu verdanken, der Ende der 1960er Jahre abgeschlossen und von den meisten Staaten, mit Ausnahme von Indien, Pakistan und Israel, ratifiziert worden ist.

Gerade Pakistan, so weiß man aus den vergangenen zwei Jahren, hat sich am allerwenigsten an diesen Vertrag gehalten - dort ist ein schwunghafter Handel mit nuklearer Technologie entstanden, von der unter anderem auch Libyen und möglicherweise auch der Iran profitiert haben. Libyen hat zuletzt sein Atomprogramm offen gelegt und arbeitet wieder mit der Internationalen Atomenergieagentur zusammen.

Anders sieht die Situation jetzt beim Iran aus. Die Mullahs in Teheran stützen sich ja auf einen Passus, wonach keinem Land der Zugang zur friedlichen Nutzung der Atomenergie verwehrt werden darf. Nur kann - bei entsprechender technischer Umwandlung - nuklearer Brennstoff auch zu militärischen Zwecken verwendet werden.

Jetzt versucht die internationale Staatengemeinschaft dafür eine Lösung zu finden, etwa, indem alle Länder, die Atomenergie benötigen, auch die Technologie zur Verfügung gestellt bekommen, aber nur unter der Bedingung, dass alles völlig transparent und unter den Augen etwa der IAEO geschieht. Ganz gebannt ist die Gefahr damit natürlich nicht. Immer noch herrscht die Angst, dass sich etwa Terroristen eine Atombombe aneignen können - mit den katastrophalen Konsequenzen, dass das dann haben könnte.

Doch der österreichische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Thomas Stelzer, sieht diese Gefahr für nicht so ausgeprägt: "Wie wir wissen ist es nicht so schwer, eine Atombombe zu bauen, wenn es einem gelingt, alle Bestandteile dafür zu beschaffen - aber genau darin liegt der Haken, es ist nicht so leicht sich diese Bestandteile anzueignen - und vor allem, das ganze unbemerkt und unentdeckt zu machen ..."

Was uns wieder zurück zu den eigentlichen Atombomben-Mächten führt: allein in den USA sind derzeit 2.000 dieser Bomben so scharf gemacht, dass sie jederzeit eingesetzt werden können. Vielleicht ist es das Vermächtnis von Hiroshima, das es bisher verhindert hat, dass aus dieser Möglichkeit schreckliche Realität wird.

Mehr zu Hiroshima in oe1.ORF.at und in 2005.ORF.at

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